Susan Sontag

by Nella

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“Ich bin entschieden für Abweichler. Natürlich weiß ich auch, dass nicht jeder seinen eigenen Weg gehen kann – selbstverständlich müssen die meisten sich für eine Existenz irgendwo in der Mitte entscheiden. Aber warum werden wir immer bürokratischer, normierter, repressiver und autoritärer, statt den Menschen größere Freiheiten zu lassen?”

„Ich mag ein Schweigen, durch das man hindurchsehen, hinter dem man den Menschen erkennen kann.“

“Lesen ist meine Unterhaltung, meine Ablenkung, mein Trost, mein kleiner Suizid. Wenn ich die Welt nicht mehr ertrage, igle ich mich mit einem Buch ein, und dann bringt es mich von allem fort, wie ein kleines Raumschiff.”

“Sie haben gesagt, dass wir der Literatur fast alles schulden, was wir sind und was wir gewesen sind. Wenn Bücher verschwinden, wird die Geschichte verschwinden, und die Menschen werden ebenfalls verschwinden. Ich bin sicher, dass Sie recht haben. Bücher sind nicht nur die beliebige Summe unserer Träume und unser Gedächtnis. Sie bieten uns auch das Vorbild für Selbsttranszendenz. Manche Leute halten Lesen bloß für eine Art von Flucht: eine Flucht aus der ‘wirklich’ Welt des Alltags in eine imaginäre Welt der Bücher. Bücher sind viel mehr. Sie sind eine Art und Weise, ganz und gar Mensch zu sein.”

“Ich mag Intimität – eine jüdische Art von Intimität, um es mit einem Codewort zu sagen. Ich mag Leute, die viel reden, die von sich selbst reden, die warmherzig und körperbewusst sind. Ich lebe nicht in einem Film von Bresson oder Pagnol, sondern in meinem Leben und muss meine eigenen Grenzen überwinden.”

Susan Sontag. The Doors und Dostojewski. Das Rolling-Stone-Interview mit Jonathan Cott, übersetzt von Georg Deggerich. 2014 Hoffmann und Campe.

(Buchtipp und Foto von Mirjam Wählen)