Rückblick: Das Fräulein entdeckt Lana del Rey

by Nella

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Lana del Rey: Video Games

Der Fräulein Blog erinnerte vor einigen Monaten daran, dass das zugehörige Fräulein Magazin das erste deutschsprachige Heft war, dass Anfang 2011 über die amerikanische Sängerin Lana de Rey berichtete, die nur ein Jahr später zum Superstar wurde. Bei einem spontanen Redaktionsbesuch schlug ich die Dame vor, hatte ich sie selbst erst kurz zuvor über den Facebook-Post eines Kumpels entdeckt. Und nicht mal 12 Wochen später packte die deutsche Interview sie auf das Cover ihrer Erstausgabe. So schnell kann’s gehen. Unten mein Artikel. Here you go.

Lana Del Rey ist die musikalische Überraschung des Sommers. Nach ein paar YouTube-Videos lag der selbsternannten Gangsta-Nancy-Sinatra das Internet zu Füßen.

Die Musikszene stand augenblicklich Kopf, als die New Yorker Sängerin Lana Del Rey bei YouTube ein paar Songs hochlud. Ihre Konzerte waren in zehn Minuten ausverkauft. Selbstgeschriebene Lieder, kraftvolle Stimme, dazu die von ihr ebenfalls selbstgebastelten Musikclips mit Super-8-Urlaubsvideos, strauchelnden Stars und ihr selbst: wunderschön, mit riesigen Lippen, Lockenwicklerfrisur und langen künstlichen Fingernägeln. Ein bisschen Retrochic, ein bisschen Trailerparkoptik. Ist Lana del Rey ein Gesamtkunstwerk?

Angeblich ist sie sogar in einem Trailerpark aufgewachsen. Ein Journalist mutmaßte, sie habe sich ihre Lippen absichtlich “verspritzen” lassen, um mehr nach amerikanischem „White Trash” auszusehen. Auf ihrer Facebook-Seite steht ein Coco-Chanel-Zitat: „Wenn du unersetzlich sein willst, musst du anders sein.” Egal, ob ihr Äußeres Teil einer Image-Kampagne ist oder nicht: Aufgegangen ist die allemal. Auf die Frage, ob sie für die Plattenfirmen ihren Stil ändern sollte, antwortet sie: „Nein, meine Klamotten oder Musik waren für solche Leute uninteressant. Es kam eher die Frage, ob ich mit ihnen ins Bett gehen würde.”

Wer ist das nun, Lana Del Rey oder Lizzy Grant, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt? „Das ist nur ein anderer Name, aber ich bin dieselbe Person geblieben. Ich wollte einen Namen, der mehr zu der Musik passt, der glamouröser ist.” Lana Del Rey ist Perfektionistin. Mit der Liste ihrer musikalischen Vorbilder kann man nichts falsch machen: Nina Simone, Elvis Presley, Bob Dylan, Allen Ginsberg, Kurt Cobain, Antony and the Johnsons. „Hey, die Liste ist nicht von irgendwelchen Managern zusammengestellt!”, betont sie energisch, sie, die vorher noch in süßem Singsang gesprochen hat. „Ich verehre diese Künstler.” Stimmt das eigentlich mit dem Trailerpark? „Ach, da wird so eine großes Sache draus gemacht. Ja, ich habe ein paar Jahre in einem Trailerpark gewohnt. Ich habe dort wirklich gute Freunde gefunden, die immer noch meine Freunde sind.”

Aufgewachsen ist Lana Del Rey in der Kleinstadt Lake Placid, drei Autostunden von New York City entfernt. Sie ist das älteste von drei Kindern. Mit elf führte sie den Kirchenchor an, und auf die Frage eines Journalisten, ob Gott mit ihren Songtexten einverstanden wäre, haut sie ihm sarkastisch um die Ohren: „Gott hat mir in so vielen Situationen das Leben gerettet, da muss er mit dem einverstanden sein, was ich schreibe.” Darauf angesprochen lacht sie, um dann ernst hinzuzufügen: „Ich bemühe mich sehr, ein guter Mensch zu sein. Aber irgendwie ziehe ich verrückte Leute an. Ich habe deshalb immer wieder Ärger.”

Welchen genau, möchte sie nicht verraten, aber das Leben in New York sei hart. In einem Song singt sie: „Maybe I like this rollercoaster, maybe it keeps me high”. Ob sie diese Ups und Downs vielleicht braucht? Eine Spur zu trotzig antwortet sie: „Nein, die brauche ich ganz und gar nicht. Ehrlich gesagt kann ich sie nicht leiden. Ich bin ziemlich einfach gestrickt.” Seit kurzem pendelt Lana Del Rey zwischen London und New York. Wie es denn da mit der Liebe laufe? „Die große Liebe hatte ich mal, dann habe ich sie verloren, dann noch einmal gefunden und, tja, wieder verloren. Das ist schon seltsam, dass man sich immer wieder verliebt.” Stirnrunzelnd fügt sie hinzu: „Ich denke, das ist so eine DNA-Sache!”

Da ist er wieder, der schnelle Wechsel von Kitsch zu Sarkasmus. Und bevor ihr ein Vergleich aufs Auge gedrückt wird, bezeichnet sie sich selbst lieber als „Gangsta-Nancy-Sinatra” und ihre Musik als Hollywood Pop. „Wenn ich nicht absolut wüsste, dass ich singen kann, würde ich etwas anderes machen!”, sagt sie selbstbewusst. Mittlerweile läuft es ziemlich gut für die 24-Jährige, obwohl ein richtiges Album erst Anfang nächsten Jahres erscheinen wird. Um es mit ihrem Idol Bob Dylan zu sagen: „All I can do is be me. Whoever that is.”

(Pic via Fräulein Magazin by Jane Stockdale)