Der Geschmack von Heimat: Der Thaipark in Berlin

by Nella

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Sun Kil Moon: Jim Wise

Seit Jahren treffen sich im Preußenpark asiatische Familien. Was macht man, wenn man bei geselliger Runde im Grünen hockt? Klaro! Man redet und lacht – und isst. Bei diesem mittlerweile berühmtesten Picknick Berlins servierten die meist thailändischen, aber auch philippinischen, vietnamesischen und chinesischen Mütter jedoch keine Stullen, sondern feinste asiatische Gerichte, um ein bisschen Heimat auf dem Gaumen zu schmecken.

Richtige kleine Garküchen entstanden mitten in Charlottenburg-Wilmersdorf, unweit des Fehrbelliner Platzes. In vielen Töpfchen und Tiegeln bereiteten die Frauen die köstlichen Spezialitäten mit exotischen Gewürzen frisch zu. Die anderen Parkbesucher ohne fernöstliche Familienmitglieder blickten traurig wie futterneidisch auf das kulinarische Treiben neben ihnen. Irgendwann fragten sie freundlich, ob sie einen Teller von den guten Sachen erstehen dürften.

So entwickelte sich im Laufe der Zeit ein fantastischer, inoffizieller Markt mit authentischem, insbesondere thailändischem und vietnamesischem Street Food. Zitronengras, Limettenblätter, Ingwer, Koriander, Galangawurzel, Basilikum, Chili und-und-und landen im Mörser, man darf den Köchinnen und Köchen dabei zuschauen, wie sie alles mit dem Stößel zerreiben.

Wundervolles Phat Thai, leichte Gaeng- und Kaenggerichte (Currys) und natürlich Som Than aus Papayas, Limonen, Tomaten und gehackten Erdnüssen werden gereicht. Weder die obligatorische Pho noch Frühlings- oder Sommerrollen fehlen. Das Fleisch und viel frischer Fisch sowie Garnelen und andere Wassertiere richten die Familien ebenfalls frisch an. Das ist schon eine ziemliche Freude, einfach nur durch den Park zu gehen und zu gucken und zu staunen, was da für feine Gerichte feilgeboten werden. Selbst erfahrene Gourmets entdecken immer wieder Speisen und Zutaten, die sie selten oder noch nie zuvor gesehen haben…

Das Ganze ist mittlerweile so bekannt, dass der Volksmund den Preußen- in Thaipark umgetauft hat. Ab etwa halb drei ist es dort schon recht voll. Familien mit kleinen Kindern sollten besser etwas früher kommen. Bei Regen fällt der Markt aus. Aber Sonntag, dieser Sonntag ist geritzt. Ich hab’ Sonne bestellt. Echt jetzt!

 Music via Henning & Milosz

(Alle Fotos von Jennifer Endom, danke schön!)