Ich bin kein Exhibitionist

by Nella

Ratatat: Loud Pipes

Völlig untergegangen vor lauter in den Himmel gucken, dabei ist sie so schön geworden: die neue Ausgabe vom Fräulein Magazin. Jawohl, es war schon wieder soweit, und zwar bereits am 28. Dezember 2011! Mit Charlotte Gainsbourg auf dem Cover, fotografiert von Nan Goldin (!). Zwei Texte von mir sind dabei, einer über die mittlerweile in New York City lebende Foto- und Video-Künstlerin Laurel Nakadate, die dafür ihr erstes Deutschland-Interview gegeben hatte. Einen Auzug davon gibt es in den nächsten Tagen.

Über die Reise nach London, bei der ich mit Dita von Teese gesprochen habe, kann man ein wenig hier im Blog lesen, und zwar im Eintrag vom 4. Dezember 2011. Ich sollte die New Burlesque Tänzerin und Ex-Frau vom Marilyn Manson Frontmann für die Fräulein-Rubrik Der Körper befragen. Das erklärte ich Dita von Teese ebenfalls vorweg, damit sie nicht den Eindruck bekäme, sie habe eine Besessene vor sich sitzen, die die ganze Zeit über ihren Hintern oder ihre Silikonbrüste sprechen möchte… Die habe ich dann doch nicht angesprochen, die Silikonbrüste. Nur so hintenrum (“Gibt es etwas, dass Sie erst lernen mussten, an ihrem Körper zu akzeptieren?” Dazu gedacht: Oder eben nicht? Hihi!). So hat sie auch geantwortet, ein bisschen ausweichend. Profi ist Profi. Oder eben eine Lady from tip to toe. Dabei war sie sehr pc (wie political correct). Und ziemlich hübsch obendrein. Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Gespräch. Voilà.

Nella Beljan: Worauf schauen Sie zuerst bei Männern und Frauen? Irgendwelche körperlichen Attribute, die Sie besonders interessieren?

Dita von Teese: Ach, da gibt es keine speziellen Merkmale, auf die ich achte. Ich versuche mich auf jeden Menschen neu einzulassen und zu entdecken, was ihn besonders macht. Mir fällt nie zuerst dasselbe auf, ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass man sich auf eine Person einlässt. Ich war mit großen Männern zusammen, ich war mir kleinen Männern zusammen. Ich hatte was mit Männern, die einen umwerfenden Humor hatten, ich war mit anderen zusammen, die hatten andere herausragende Eigenschaften. Jeder so auf seine Weise, und mir gefällt, herauszufinden, welche das ist. Bei jedem Menschen neu, ob Mann oder Frau.
Nella: Und was mögen Sie an sich selbst besonders gern?
Dita: Ich finde, dass ich einen sehr guten Geschmack habe. Das mag ich ziemlich gern an mir. An körperlichen Attributen bin ich ganz froh über die guten Gene meiner Mutter. Sie hat mir ihre schöne Haut vererbt, da habe ich wirklich Glück gehabt. Ich bin auch froh, ihre Figur geerbt zu haben. Meine Mutter ist sehr zierlich, das habe ich von ihr.
Nella: Apropos Figur. Gehen Sie eigentlich auch an den FKK-Strand?
Dita (lacht): Oh, das ist eine wirklich gute Frage. Da habe ich noch nie drüber’ nachgedacht… Ich war tatsächlich noch nie an einem FKK-Strand. Ich bin kein Exhibitionist. Aber ich sollte das unbedingt mal machen. Allein, um zu sehen, wie die Leute sich am FKK-Strand bewegen. Wenn man nackt durch die Gegend rennt, verändert sich der Gang ja automatisch, als würde man performen (macht eine Drehbewegung mit dem Oberkörper). Ja, ich sollte mir das wirklich anschauen. Für mich persönlich aber ist das Nacktsein etwas, das ich auf der Bühne mache. Sonst bin ich nur im Schlafzimmer nackt! Da fühle ich mich damit ebenfalls sehr wohl.
Nella: Sie sind sicher, dass sie keine exhibitionistischen Neigungen haben? Schließlich lassen Sie ja auf der Bühne die Hüllen fallen. Bei der Cointreau-Show gestern, in der ich Sie gesehen habe, verteidigten die Männer zwar gewissenhaft ihren Platz mit Blick auf die Bühne. Es waren aber die Damen, die johlten.
Dita: Ja, ich weiß, die meisten Zuschauer auf Burlesque-Shows sind Frauen! Es geht da auch nicht so sehr ums Nacktsein. Das ist ein großer Teil davon, klar, aber es geht mehr noch darum, möglichst kunstvoll und anmutig den Stoff loszuwerden. Das wissen dann insbesondere Frauen zu schätzen.
Nella: Gibt es etwas, dass Sie erst lernen mussten, an ihrem Körper zu akzeptieren?
Dita: Ja, das gibt es. Aber das sind die Dinge, über die man besser schweigen sollte. Eine Dame redet nicht über ihre vermeintlichen Makel. Das macht das Leben sehr viel leichter.
Nella: Eine andere Frage. Alle schönen Menschen verlautbaren in der Öffentlichkeit, dass sie drei Liter Wasser am Tag trinken, Yoga machen und gaaaanz viel schlafen, um weiter gut auszusehen….
Dita: Hm-mmm, klar…
Nella: Welche Ihrer Angewohnheiten könnte beweisen, dass man nicht wie eine Nonne leben muss, um schön zu bleiben? Irgendwelche Empfehlungen?
Dita: Ich liebe Cocktails!!! Die trinke ich unheimlich gern. Aber ich achte darauf, dass ich einen Cocktail trinke und dann ein Glas Wasser, dann wieder einen Cocktail und wieder ein Glas Wasser. Das funktioniert ganz gut so!
Nella: Leonardo di Caprio hat vor kurzem gesagt, dass er für einen Film zu einem alten Mann geschminkt wurde. Als der Make-Up-Artist fertig war, schaute di Caprio in den Spiegel und erbleichte. Denn er sah nicht etwa aus wie sein Vater oder Großvater – sondern wie seine Großmutter! Wovor fürchten Sie sich, wenn sie alt werden?
Dita: Hm. Das kann ich nicht sagen. (Überlegt. Stille.)
Nella: Okay, drehen Wir die Frage um. Worauf freuen Sie sich im Alter?
Dita: Oh, das ist einfach. Ich freue mich darauf, (…).

Mehr wird nicht verraten. Zum Weiterlesen: das Magazin kaufen.

Auszug aus Nella Beljan: Der Körper, Dita von Teese. Ich bin kein Exhibitionist. In: Fräulein Magazin Nr. 5 (2010), S. 46f.

(Pic via Ahnini)