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by Nella

Timber Timbre: Do I have Power

J. sagte: “Das ist der schlimmste Film, den ich je gesehen habe. Nein, warte, Tree of life war noch schlimmer.” P. sagte: “Du musst in den Film gehen. Der war total super. Und egal, wie ich um mich schaute, alle Leute hat er ziemlich umgehaun’!” Zwei Männer, keine Meinung. Das war das Feedback, das ich zu Lars (I am a Nazi) von Triers Melancholia bekam. Ich bin dann am gleichen Abend selbst in den Film gegangen. Soviel vorweg: Das ist kein Popcornkino und spaßig ist sowieso anders!

Von den Bildern bis zur Geschichte ist Melancholia kompliziert wie simpel zugleich. Es ist die Geschichte der fortschreitenden Depression Justines – gespielt von Kirsten Dunst –, während der Planet Melancholia auf die Erde zuzurasen droht. (Mehr Metapher geht auch nicht.) In dem Vorspann, der etliche Motive aus der Kunstgeschichte zitiert, wird dann  in albtraumhaft schönen Bildern zusammengefasst, was der Film in zwei Teilen erzählen wird. Im ersten Teil, mit Justine überschrieben, schaut man ebenjener Justine ausgerechnet am Tag ihrer Hochzeit dabei zu, wie sie vergebens gegen die bleierne Schwermut ankämpft, die sich in ihr ausbreitet. Das ist die reinste Folter für den Zuschauer. Zumal sich insbesondere ihre Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) sowie ihr frisch gebackener Ehemann mit Engelsgeduld um sie bemühen. Im zweiten Teil des Films, einige Zeit nach der Hochzeit angesetzt, kommt Justine kaum mehr aus dem Bett, so schlecht geht es ihr. Mittlerweile hat der Planet Melancholia die Umlaufbahn der Erde erreicht. Je näher er jedoch rückt, desto deutlicher verbessert sich der Zustand Justines. Während Claire nun in Todesangst gerät, ist Justine längst davon überzeugt zu sterben und genau das beruhigt sie. Sie ist von der unheilbaren Einsamkeit des Einzelnen überzeugt und die schlechte Menschheit habe es ohnehin nicht verdient, zu überleben.

Was für ein Film und was für Bilder! Sowohl die Metaphern, Zitate, Verweise als auch die Aufnahmen! Wir wurden vom Ende regelrecht in die Kinositze gedrückt. Ein paar Reihen hinter uns saßen jedoch ein paar Schwäbinnen. Die waren offenbar weniger beeindruckt. Nach dem großen Knall sagten sie jedenfalls in die Stille hinein: “Joa, desch war’s wohl jetzt!” Ist eben jeder Jeck anders. Gell?!

(Music via Mimy, Pic by Robin Mellway)

(Charlotte Gainsbourg),