Der Stille Sonntag *20

by Nella

The Head and the Heart: Winter Song (live)

Okay, von der Jahreszeit passt der Song nicht. Aber ein schöner ist es allemal. Ausgesucht von Filter, der hat diesmal eine Band hervorgekramt, The Head and the Heart, die seiner Einschätzung nach bestimmt bald auch hier groß rauskommt. Free Download von zwei Songs hier, die Band tritt am 27.06. im Astra, Berlin auf, als Special Guest von Death Cab for Cutie. Was ich zur Zeit neben ein paar anderen Sachen lese, siehe unten. Muss ich ziemlich oft bei Schmunzeln.

“Vor den vierziger Jahren, während der gesetzten europäischen Epoche seines Lebens, hatte er stets lange Unterhosen getragen, die Bündchen in die Fesseln adretter, an den Seiten mit feinem Strickmuster verzierter Seidensocken von nüchternem Farbton gesteckt, die entlang von seinen baumwollumspannten Waden von Sockenhaltern hochgehalten wurden. Anderen den Anblick jener weißen Unterwäsche zuzumuten, wenn er etwa ein Hosenbein zu hoch zog, wäre Pnin in jenen Tagen genau so ungehörig vorgekommen, als hätte er sich Damen ohne Kragen und Krawatte gezeigt; denn selbst als die angemoderte Madame Roux, die Concierge des schmuddeligen Mietshauses im sechzehnten Arrondissement von Paris … zufällig einmal zum Kassieren der Miete heraufkam, als er gerade ohne seinen faux col war, bedeckte Pnien seinen fehlenden Kragen mit keuscher Hand. Alles dies änderte sich im berauschenden Klima der Neuen Welt. Jetzt, mit zweiundfünfzig, nahm er mit Hingabe Sonnenbäder, trug er Sporthemden und Freizeithosen, und wenn er die Beine übereinanderschlug, stellte er sorgfältig, absichtsvoll, schamlos ein gewaltiges Stück bloßen Schienbeins zur Schau …

Zugunsten von Laurence und Joan muss gesagt werden, dass sie Pnin bald um seiner Pninschen Qualitäten willen zu schätzen begannen und obwohl er eher ein Poltergeist war als ein Untermieter. Er tat seinem neuen Heizofen irgendetwas Schlimmes an und sagte düster: Egal, es werde ja jetzt bald Frühling. […] Er hatte eine heimliche leidenschaftliche Affäre mit Joans Waschmaschine. Obwohl ihm untersagt worden war, auch nur in ihre Nähe zu kommen, wurde er ein ums andere Mal bei einem Verstoß ertappt. Unter Hintanstellung allen Anstands und aller Vorsicht fütterte er sie mit allem, was zufällig zur Hand war, seinem Taschentuch, Geschirrtüchern, einem Haufen Unterhosen und Hemden, die er aus seinem Zimmer hinuntergeschmuggelt hatte, nur um des Vergnügens willen, durch jenes Bullauge zu verfolgen, was sich wie ein endloses Getümmel von Delphinen mit der Drehkrankheit ausnahm. Nachdem er sich eines Sonntags seiner Einsamkeit vergewissert hatte, konnte er aus schierer wissenschaftlicher Neugier nicht widerstehen, der Maschine ein paar lehm- und chlorophyllverschmierte Leinenschuhe mit Gummisohlen zu überlassen, damit sie damit spielen konnte; die Schuhe trampelten mit einem gräßlichen, unrhythmischen Geräusch davon, als marschiere eine Armee über eine Brücke, und kehrten ohne Sohlen zurück, und Joan tauchte aus ihrem kleinen Gemach hinter der Speisekammer auf und sagte voller Trauer: “Schon wieder, Timofey [Pnin]?” Doch sie verzieh ihm und saß gerne mit ihm am Küchentisch …

Keine Angst. Ich teile nicht Pnins Leidenschaft und schaue meiner Waschmaschine bei der Arbeit zu, aber ein Sonntag ist ein Sonntag, in den ich mich jetzt verabschiede, um ebenfalls was ‘Vergnügliches’ zu machen. Ich hab da auch schon so ‘ne Idee … aber jetzt erstmal raus aus den Federn, ándale!

Vladimir Nabokov: Pnin. 8. Auflage Reinbek 1999  (New York 1953). 8,99 Euro.

(Music via Filter)

(pic via Honeybunnywalk)