Not a Calzone

by Nella

Bon Iver: For Emma (a capella & with instruments)

Mein Freund L. ist nicht nur ein hervorragender Wissenschaftler und Philosoph, sondern wie sich das für einen richtigen Italiener gehört auch ein Spitzenkoch. Wenn er sagt, er würde “eben was kochen, mal sehen, was im Kühlschrank steht’, läuft einem augenblicklich das Wasser im Mund zusammen, Sabber trieft auf den Boden. Wenn L. dementsprechend vorschlägt essen zu gehen, er habe da etwas entdeckt, ist man im Null Komma Nix startklar. Und steht erwartungsvoll schwanzwedelnd mit der Leine im Maul vor ihm. Vor ein paar Jahren schlug er vor, zu Masaniello zu gehen. Das ist ein Neapolitaner.  Ein Restaurant, benannt nach einem Volkshelden, damit die Italiener direkt wissen, mit welcher regionalen Küche sie es zu tun haben. Von dem Essen träume ich heute noch. Die Vorspeise, Artischocken. Einfach gewürzt, mit etwas Öl und Knoblauch, dennoch: ein Geschmacksfeuerwerk. Letzten Sonntagabend dann nach Ewigkeiten wieder ein Besuch in dem Laden. Verblüfft stellt man fest, dass er von einem, vom italienischen Stammpublikum abgesehen, wenig besuchten Restaurant zu einem proppenvollen Hot Spot mutiert ist. Lauter gutaussehende Menschen, die sich um die Plätze kloppen und den Teller bis zum letzen Happs aufessen. Pizzen: sehr, sehr gut. Auch der Salat, anders als in einem meiner liebsten Pizza-Läden (Il Casolare), tatsächlich als Salat zubereitet (und nicht die Nummer mit: Okay, Frollein wollen in einer Pizzeria unbedingt einen Salat? Klar, hier ist Gemüse, Messer legen wir daneben und schnibbel selber, den Scheiß. Oder besser, bestell’s nieee wieder!).

Der Kellner, ziemlich gestresst erst, machte im Laufe des Abends alles Mürrische wieder wett. Denn er sorgte sich rührend und auf einmal zu vielen Späßen aufgelegt um unseren Familientisch. Die Wartezeit für das Essen war wohl etwas lang, ich bekam’s nicht mit, denn ich war, äh … ich ließ vorbestellen, sozusagen. Die Inneneinrichtung ist Eiche Rustikal, was bei dem ganzen Trubel aber nicht ins Auge stach. Und schließlich geht es in erster Linie ja ums Essen. Wenn der Laden schick gewesen wäre, hätte er sich wohl sofort durchgesetzt. Aber Qualität macht sich irgendwann bezahlt. Immer! Oben in diesem Sinne auch the wonderful Bon Iver bei einer kleinen A Capella Session. Als Bon Iver aka Justin Vernon das erste Mal in Berlin gespielt hat, war das vor einer Handvoll Leuten. Und er zog alle in seinen Bann. Das nächste Mal schon spielte er im Postbahnhof. Ausverkauft! Da juchzt man doch vor Freude.

Masaniello, Hasenheide 20, 10967 Berlin, 030 6926657. Tisch reservieren empfohlen.

(Pic via Ahnini)