Hab’ ich da richtig gehört?!

by Nella

Da wird ein Mensch, der meistgesuchte Terrorist der Welt, exekutiert. Wie Frank Schirrmacher treffend sagte: Keine Trauer. Aber auch kein Grund zur Freude. Der ‘Finale Rettungsschuss’ (nicht grundlos ein Euphemismus) ist zwar umstritten, in der BRD jedoch legal. Ist die Tötung Bin Ladens mit einem Finalen Rettungsschuss zu vergleichen?

Zunächst die von dem Journalisten Johannes Boie zusammengestellte Linkliste der widersprüchlichen Informationen über die Tötung Osama Bin Ladens (auf seinem eigenen Blog Schaltzentrale auch mit einem längeren Kommentar versehen).

Osama bin Laden lebte in einer Luxusvilla.

Osama bin Laden lebte nicht in einer Villa.

Osama bin Laden war beim Schusswechsel mit einer AK 47 bewaffnet.

Osama bin Laden war beim Schusswechsel nicht bewaffnet.

Osama bin Laden missbrauchte wohl eine seiner Ehefrauen als menschliches Schutzschild, sie wurde dabei erschossen.

Osama bin Laden missbrauchte eine seiner Ehefrauen nicht als Schutzschild, sie lebt.

Pakistan war über den Militäreinsatz der Amerikaner informiert und hat ihn mit eigenen Soldaten unterstützt.

Pakistan war über den Militäreinsatz der Amerikaner nicht informiert und kritisiert ihn nun.

Pakistan hat den Aufenthaltsort von Osama bin Laden vertuscht.

Pakistan will die Amerikaner über das Haus in Abbottabad informiert haben.

Barack Obama hat den Kampfeinsatz live über die Helmkamera eines Soldaten verfolgt.

Barack Obama hat den Kampfeinsatz nicht live gesehen.

Die Tötung von bin Laden war rechtens.

Gezielte Tötungen sind völkerrechtswidrig.

Eine Demokratie darf töten.

Der Codename der Kommando-Aktion gegen Bin Laden war Geronimo.

Der Codename für Bin Laden war Geronimo. Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner sind daher wütend.

Angela Merkel freut sich über bin Ladens Tod.

Angela Merkel freut sich nur darüber, dass bin Laden keine Menschen mehr töten kann.

Bin Ladens Nachbarn kam sein Haus verdächtig vor.

Bin Ladens Nachbarn kamen das Haus und seine Bewohner eher nicht verdächtig vor.

Der Tod der Iranerin Shahla Jahed im Dezember 2010 hat mich sehr betroffen. Anhand ihrer Hinrichtung verdeutliche ich, weshalb Töten keine Option für Strafen ist. Mein Essay als grundsätzliches Statement also, warum man bei “Bist du gegen die Todesstrafe?” nicht mit “Ja, aber …” antworten kann. DER ESSAY IST NICHT MEHR ONLINE VERFÜGBAR.

Nella Beljan: Eine Stimme. Erschienen in: Fräulein Magazin Nr. 2. Berlin 2011, S. 164-167.

Literatur: Sarah Kofman: Erstickte Worte. 2. Auflage Wien 2005 * Primo Levi: Ist das ein Mensch? Ein autobiographischer Bericht. 4. Auflage München 1992 * Robert Antelme: Das Menschengeschlecht. Frankfurt/M. 2001 * Maurice Blanchot: Die Schrift des Desasters. München 2005 * Maurice Blanchot: Das Unzerstörbare. Ein unendliches Gespräch über Sprache, Literatur und Existenz. München 2007. (Kofman hatte ihren Begriff vom “Unzerstörbaren des Mensch(lich)en” über ihre Lektüre von Antelme und Blanchot abgeleitet.)

(Pic via I shed my tears to flood with you)