Am falschen Ende

by Nella

Zola Jesus: Sea Talk

Spätestens beim Einkaufen tun sich Pärchen-Abgründe auf. Mein jüngstes Anschauungsexemplar kürte ich auf der Stelle zum weltschlimmsten Zweiergespann überhaupt. Das war ziemlich interessant auch. Nicht die großen Terror-Szenen, nein, mit kleinen, fiesen Gesten den anderen auszuhöhlen. Herzlich willkommen, die Chinesische Wasserfolter übersetzt ins Abendland, exklusiv an der Kasse der Feinkostabteilung, Karstadt/Hermannplatz: Ein lesbisches Pärchen in den Mittvierzigern. Da hat ma ja das abstruse Vorurteil (positives Vorurteil bleibt Vorurteil), ‘die’ müssten sich besonders gut verstehen. Nix da. Die beiden Ladies sprachen nicht miteinander. Die eine schob den gemeinsamen Einkaufswagen nach vorne, um die Ware zum Bezahlen besser aufs Band legen zu können. Nur wenige Sekunden später schob ihre Freundin den Wagen wieder zurück. Mit Nachdruck. Und sortierte auch die Produkte auf dem Kassenband neu. Kein Mucks verließ dabei ihre Lippen. Die Atmosphäre hätte nicht schneidender sein können. Das Spielchen ging noch ein paar Mal so weiter. Die Rechte konnte der Linken nichts Recht machen. Sofort wurde korrigiert. Immer noch schweigend. Als dann die Kassiererin ein Ministück Pastinake abwog, sagte, na wer wohl: “Das ist eine Petersilienwurzel und keine Pastinake. Haben sie das auch richtig berechnet?” Ich dachte, mich tritt ein Pferd. Am liebsten hätte ich der Dame eine gescheppert. Stattdessen blickte ich meine Freundin Winnie an. Die brachte die Situation auf den Punkt: “Wieviel will man denn bei einem Betrag von 21 Cent sparen, bitte?” Recht hat sie. Oder ging es um Korinthenkackerei? Ist auch egal. Jedenfalls kenne ich nun endlich den Unterschied zwischen Pastinaken und Petersilienwurzel. Trotzdem spazierte mir nach so viel Geschweige in Riesenlettern durch den Kopf: Augen auf beim Autokauf, nech.