Little did he know

by Nella


Wreckless Eric: Whole wide world

Manche Leute halten sich für so Punkrock, dass sie Kochen nach Rezept zum Inbegriff für Spießigkeit erklären. Weil man sich nicht ängstlich an Dogmatiken halten solle. Aber sich stattdessen selbst mehr kreativen Raum erlauben möge. Was aber, wenn ein Rahmen neue Möglichkeiten für ebendiesen Raum eröffnet? Und: Wenn man weiß, welche Regeln man überschreitet, kann man sogar und erst Recht kleinen unschuldigen Kochrezepten seine persönliche Note verleihen. Ich mags, die Dinge auf diese Art aufzupimpen. Viele Menschen merken ohnehin nicht, dass sie sich an bestimmten Regeln orientieren, weil diese nicht autoritär daher kommen. Zum Beispiel die Filme von Quentin Tarantino. Ganz leichtfüßig. Oder locker. Aber: mit musikalischem Rahmen, ha! Zuerst spukt Tarantino ein Lied im Kopf herum, und danach werden dann die Filmszenen gedreht und das Material geschnitten. So bekommen die Einstellungen den Rhythmus und die Schnelligkeit, welche der Soundtrack vorgibt, wenn der Regisseur sich in seinen Bildern und Dialogen austobt. Clever auch! Aber vor allem: meistens ziemlich gut.

Eine ähnliche Song-Sternstunde hatte der Regisseur Marc Forster als er seinen Film Stranger than Fiction drehte. Denn dafür wollte er unbedingt Whole wide world von Wreckless Eric verwursten. Auch hier also kam zuerst die Musik und dann das Skript, und wenn der Protagonist Harold noch weiter über seinen Schatten springt und zur Klampfe greift, um diesen Song für sich und seine schöne Bäckerin zum Besten zu geben, versteht man, wie so eine perfekte Mixtur funktioniert. Eric Gouldens (so Wreckless Erics bürgerlicher Name) Stimme hört sich übrigens nicht nur so abgef**kt an. Der Mann war ziemlich abgef**kt. Voll wie ‘ne Haubitze gab der seine Konzerte. Und obwohl er sich um die großen Recken wie Elvis Costello, Madness und Konsorten tummelte, hatte er selbst nie den durchschlagenden Erfolg. Ende der 1980er wurde es noch stiller um ihn, da zog er sich zurück, um sich in seinem Häuschen in Frankreich ebenfalls ‘voll’ und ganz seiner “Karriere als Vollzeitalkoholiker” zu widmen. Mittlerweile ist Wreckless Eric wohl wieder trocken und hat vor ein paar Jahren sogar ein neues Album herausgebracht. Was die Verwendung von The whole wide world in Stranger than Fiction angeht, war er jedoch sehr zufrieden: “Mein Zeug wurde schon oft benutzt. Aber zum ersten Mal auch in ‘nem guten Film. Da musste ich mich zur Abwechslung mal nicht bei der Premiere totschämen.” Na, dann. Popocorn raus, Volume on, Film ab!

Stranger than Fiction. USA 2006, 108 Minuten. Von Marc Forster mit Will Ferrel, Maggie Gyllenhaall, Dustin Hoffman, Emma Thompson & Queen Latifah.