There is a shine

by Nella

Devendra Banhart: The body breaks

Wenn Künstler sich trennen, können sie emotionale Zusammenbrüche zumindest kreativ nutzen. Statt bloß destruktiv mit sich und der Vergangenheit umzugehen. Olinka Vištica and Dražen Grubišić sind so ein Beispiel. Der Designer und die Filmproduzentin haben ein Museum eröffnet, mit dem sie die Erinnerungsstücke ihrer eigenen wie auch von anderen zerbrochenen Liebesbeziehungen konservieren. All’ das also, was vielleicht auf den Müll gehört, bei dessen Entsorgung das Herz aber nicht so recht mitmachen möchte, findet hier ein Refugium. Und bietet damit ‘normalen’ Menschen eine Plattform, aus ihrem Verlust einen kulturellen Beitrag zu machen, vielleicht auch, um ihn, den Verlust selbst, auf eine gute Art loszuwerden. Gegenstände aus aller Welt wurden so gesammelt. Eine Axt, mit der eine Berlinerin die Wohnung ihrer Ex-Freundin zertrümmerte neben einem Schlüsselanhänger. Ein Strapsband, das nie benutzt wurde, ein kleines Pferdchen aus Muranoglas. Der Clou aber sind die erklärenden Notizen, die anrührend, verblüffend, manchmal aber auch hämisch, witzig oder sarkastisch die Geschichte der Exponate wiedergeben. Wie die Dose Liebesräucherstäbchen, mit dem Hinweis des Stifters versehen: “Funktionieren nicht.”

So lakonisch konnten nicht alle Absender mit der Trennung umgehen, manchmal springt einem ihr Verlustschmerz direkt ins Gesicht. So ähnlich ist das mit Orhan Pamuks Roman “Das Museum der Unschuld”. Nicht mangelnde Liebe, sondern die Begriffsstutzigkeit und Unfähigkeit des Erzählers und seiner Geliebten, ihr Glück in die Hände zu nehmen, bringen das Ende. “Love is not a victory march” möchte man ihnen zurufen. Stattdessen sind die beiden beschäftigt, zu leiden, in Sehnsucht zu vergehen oder den anderen zu demütigen. So verwandelt der Erzähler nach und nach die alte Stätte ihrer großen Leidenschaft in ein Museum der Dinge mit all jenem, das seine Geliebte berührte. Tja. Wenigstens kann er seinen Fetisch damit in Selbstachtung verwandeln, wenn er sich nun als Museumsinhaber und Sammler geriert.

Eine ganz andere Romanform hat Leanne Shapton für die Liebesgeschichte zwischen Lenore und Harold gefunden. Chronologisch werden Wortschnippsel, Postkarten und Geschenke aller Art abgebildet, die sich das Paar vom euphorischen ersten bis zum kränkenden letzten (?) Teffen gemacht hat. Darunter ist neben Ort und Anlass der Gegenstandsübergabe fein säuberlich sein materieller Wert angegeben. Shapton war beim Durchforsten ihrer eigenen Wohung auf  Relikte ihres Ex-Freundes gestoßen, wobei ihr die Idee mit dem Roman kam.  Dem damaligen Freund, mittlerweile ihr Ehemann,  soll dabei ziemlich mulmig geworden sein. Auf die Frage, ob sie der Anblick der Erinnerungsstücke traurig gemacht habe, antwortete sie: “Nein. Denn diese Dinge zeigen nicht nur das Bittere, das man oft vom Ende einer Beziehung her denkt. Sondern auch, dass man mal geliebt wurde.” Der Geschichte zwischen Lenore und Harold vorangestellt ist eine Postkarte. Auf ihre Frage, ob er jemals eine Beziehung beendet und dies später bereut habe, antwortet er ihr: “Ja, die mit dir.” Ob er sie treffen dürfe. Lenores Antwort fehlt. Aber da beginnt ja das Buch.

Ein ausführlicherer Artikel zu dem Museum der zerbrochenen Beziehungen/brokenships in Zagreb, Kroatien findet man hier. // Orhan Pamuk: Das Museum der Unschuld. Aus dem Türkischen von Gerhard Meier. München 2008 (24,90 €). // Leanne Shapton: Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Lenore Doolan und Harold Morris. Aus dem Amerikanischen von Rebecca Casati. Berlin 2010 (19,90 €).

(brokenships via Meggi)

(Photo via starryhours)