Der Himmel über Berlin

by Nella

Salem: Redlights

Ganz schön viele nackte Weiber gibt’s hier in meinem Blog. Ein bisschen mehr Landschaften und Lümmel folgen deshalb in den nächsten Tagen. Den Anfang macht der bewegte Himmel oben. Der in Berlin schaut heute leider nicht mehr so frühlingshaft aus wie gestern. Und außerdem bin ich morgen Abend auf der Berlinale 2011 und der Wim Wenders zeigt dort irgendwann auch seinen Pina Bausch Film. Eigentlich aber habe ich ja ein Bild mit Melonen gesucht. Aber da kommen dann auf diversen Foto-Blogs immer wieder die Girls ins Spiel. Und auch Google schlägt bei Melonen nur Sexistisches vor. Weshalb ich Melonen wollte? Weil mir eingefallen ist, wie wir zu Weihnachen bei meinen Eltern am Kamin saßen und mein Bruder nochmal zum Besten gab, wie er seiner Lieblingspuschen verlustig wurde. Wir sind eine sehr treue Familie. Wenn wir jemanden liebgewonnen haben, werden wir fast unzertrennlich. Das überträgt sich auch auf Gegenstände. Solch eine symbiotische Beziehung ging mein Bruder als Kind mit seinen Hausschuhen ein.

Sommerzeit, Urlaubszeit, endlich wieder in Kroatien. Unser Cousin, ein bisschen älter und inoffiziell das vierte Geschwisterkind im Bunde, war mit von der Partie. Dano und Lui schliefen zusammen in einem Zimmer. Und jedemal, wenn Papa sie morgens weckte, wurde er fast ohnmächtig von dem Gestank aus ihrem Verschlag. Erst ärgerte er sich über die Pupserei, dann machte er sich ernsthaft Sorgen um ihren Verdauungstrakt. Beide Jungs beteuerten aber ihre Unschuld als auch ihr fabelhaftes Wohlergehen. Der unerträgliche Gestank jedoch blieb. Als wir dann nach zwei Wochen unser Domzil verließen, um weiter landeinwärts zu fahren, durchzog derselbe beißende Geruch das Auto. Keiner wollte es gewesen sein, alle lachten sich kaputt.  Nur Papa, dem ließ das Ganze keine Ruhe.

Hartnäckig suchte er, bis er die Übeltäter gefunden hatte. Da Dano eben seine Filzpuschen so liebte, weigerte er sich meistens, diese auszuziehen. Also ging er oft damit baden. Schön Salzwasser. Schön Sonne. Schön eintrocknen. Sprachlos blickte Papa auf das Corpus Delicti. Als er nach einigen Sekunden wirklich begriff, dass dies die Wurzel allen duftlichen Übels war, packte ihn der Ekel und er schmiss die Schuhe, so schnell konnten wir gar nicht gucken, aus dem fahrenden Auto, hinter uns ein Melonenlaster. Die Puschen flogen also aus dem Fenster und ein kleiner schwarzgebrannter Junge vom LKW hinterher. Fünf Augenpaare (außer Papas, die blickten stur auf die Straße) schauten ihm dabei zu, wie er beherzt nach Danos Puschen griff und sie voller Glück in die Höhe reckte. Dano sahs und fing bitterlich an zu weinen. Das ertrug das autofahrende Familienoberhaupt erst Recht nicht. Aber Mama fing wieder laut an zu lachen, grapschte nach Papas Hausschuhen und schmiss diese wiederum ebenfalls kurzentschlossen und unter dem Jubelgeschrei ihrer Kinder aus dem Fenster. Ausgleichende Gerechtigkeit. Familienharmonie wieder hergstellt. Und auch Wassermelonen wurden nicht zum Insignium des Traumas, nein, am nächsten Straßenstand hielten wir an und Papa spendierte ‘ne Runde Melonenschiffchen. Einträchtig mampften wir sie in der sengenden Sonne. Sogar ich, und das, obwohl ich im Gegensatz zu meinen Geschwistern, die ganz verrückt nach “Lubenice” sind, Wassermelonen überhaupt nicht mag. Was man nicht alles macht, wenn man ‘ne gute Zeit hat.