Take a look

by Nella

Irma Thomas: Take a look

Egal wie griesgrämig man unterwegs ist, weil man um halb sieben aus den Federn musste und dann in einer überfüllten U-Bahn sitzt: Wenn ein Tross an Vierjährigen dazusteigt, und die Kleinen sich allesamt friedlich an den Händen halten, kann man nicht anders, als zu grinsen. So mir jüngst geschehen und ich habe morgens wirklich schlechte Laune, ganz besonders, wenn ich noch keinen Kaffee hatte. Spätestens aber, als die Dropse dann wieder ausstiegen und 15 Minipatschhändchenpaare dem U-Bahnfahrer winkten und dabei “Schöööööss” krähten, war auch der letzte Gargamel inklusive meiner Wenigkeit dahingeschmolzen. Alle sitzen gebliebenen Fahrgäste lächelten sich für den Rest des Weges ungemein freundlich zu. (Vielleicht kann man ja so Kindergarten-Kinder mieten!) Überhaupt stiftet Bahnfahren öfter so etwas Verbindendes. Eine Freundin erzählte letzens, dass sie ebenfalls in aller Herrgottsfrühe unterwegs war, um einen Flug zu erwischen. In der U8 saßen dann die üblichen Verdächtigen mit Bierflaschen in der Hand, andere mit Henkelmann oder Tornister. Und irgendwann stieg jemand mit überbordend guter Laune ein und fragte: “Schon wach oder noch wach?!” Das Spielchen ging reihum weiter bis zu einer alten Frau, die keck in die Runde rief: “Ratet mal! Noch wach! Ha!” Sagts’, und haute selbstzufrieden auf den Sitz. Na, bitte. Wer braucht eigentlich ein Auto. Da regt man sich doch nur über den inflationären Gebrauch von Hupe und Gaspedal auf. Und alleine ist man meistens auch. Ich sag: Daumen hoch für die Öffentlichen.