In his car, hell

by Nella

Bruce Springsteen: Fire

Profession-nell, No. 3. Im Folgenden mein Text über die Dragster Cars von Donwan Harrell. Is’ ‘n bissken lang. War aber auch, ich werd’ gleich rot, Titelgeschichte. Wer die komplette Fotostrecke dazu sehen will, nehme 5,- Euro zur Güte und begebe sich in den gut sortierten Bahnhofszeitschriftenhandel oder klicke und kaufe bei Amazon. Trick 17 geht auch, da schauts her. Und bei soviel PS unter der Motorhaube muss musikmäßig auch ‘n richtiger Mann ran – so wie der Boss, Bruce Springsteen. Dessen Spitzname ist entstanden, weil er seiner Band direkt nach den Auftritten den Zaster für ihre Gage bar inne Hand drückte. ‘N bisschen sexy. Und so lange er diese T-Shirts hochkrempelt, seh ich großzügig über seine ausgeprägte Gesichtsmimik beim Singen hinweg. Ähm, ja, auch über das Antanzen vom Mikrofonständer. Hier also meine Veröffentlichung in der Intersection.

„In erster Linie bin ich Vater, dann fanatischer Fan von alten Autos und dann Designer“, sagt Donwan Harrell, Ex-Chefdesigner von Nike und Erfinder der Edeljeans prps. Harrell besitzt Drag-Racing-Cars aus den 1950er-70er Jahren, die er perfekt aufgearbeitet hat, ohne den Charme der Autos zu zerstören. „Aber ich kaufe mir kein Auto ohne Rücksitze. Meine Kinder müssen immer mit. Sie lieben die Autos genau so wie ich.“

Wir betreten mit Donwan Harrell die Garage in New Jersey, in der sein Fuhrpark steht. Während seine Freunde an den Autos werkeln, beginnt Donwan zu erzählen. Schon als kleiner Junge habe ihn das Dragster-Fieber gepackt, als ihn sein Vater mit zu den Rennen nahm. Drag Racing geht zurück auf die zunächst illegalen Straßenrennen, bei denen zwei Wagen auf gerader Strecke nebeneinander fuhren. Derjenige gewann, der es als Erster und unbeschadet ins Ziel schaffte. Die schnellen Autos, das Gespür der Fahrer für den richtigen Moment der Beschleunigung und die geschäftigen, ölverschmierten Mechaniker hinterließen bei Donwan großen Eindruck. „Und als ich „Two-Lane Blacktop“ gesehen habe, da war ich infiziert und habe mir geschworen, wenn ich mal zu Geld komme, kaufe ich mir solche Autos. Nichts hat die anziehende Ästhetik so perfekt gezeigt wie dieser Film.“ Es versteht sich von selbst, dass der Wagen aus dem Kultfilm, ein 70er Pontiac G.T.O., in Harrells Garage steht. „Two-Lane Blacktop“ hat keine stringente Handlung, das Fahren, das „Pass-Through“, ist zentrales Moment des Films. „In den 50ern symbolisierte das Auto für die Jugendlichen Freiheit, die einem die Mobilität geboten hat. In den 60er Jahren aber wurde das Auto, das Freiheit vermittelte, von Drogen und Musik abgelöst.“ Donwan fährt jedes Wochenende mit seinen Kindern zu einer Auto-Show. „Ich bin besessen davon. Ich google „Car Shows“, druck mir die Wegbeschreibung aus und fahr los.“ Er lacht: „Nur im Winter kann man die alten Autos nicht fahren. Das Salz, das bei Glätte gestreut wird, würde die Karosserien zu sehr angreifen.“

Donwan Harrell arbeitet viel in der Garage – aber nicht nur an den Autos. Von Zeit zu Zeit zückt er sein Design-Skizzenbuch. „Das ist doch besser, als stumpf im Internet nach Inspiration zu suchen. Ich bin hier und arbeite an den Autos. Und egal, wie perfekt sie aussehen, es gibt immer etwas daran zu machen. Und in dieser Umgebung kommen mir die besten Ideen, hier sind schon ganz viele Designs entstanden.“ Diese Perfektion ist es, die ihn antreibt, das sieht man den Autos an, das sieht man seinem Design an. Spätestens, wenn man unter die Motorhaube schaut, entdeckt man, dass es Harrell um Substanz geht, darum, was unter der Oberfläche verborgen ist: Die Motoren sind blank geputzt. „Ich hab zwar Kühler für den Motor eingebaut, aber meine Autos sind nicht custom-made. Ich wollte keine Spezialanfertigungen oder irgendwelchen Schnickschnack, ich wollte die echten Autos und hab sie dann nachgerüstet.“

Harrell setzt sehr auf Qualität. Von seinem Vater besitzt er noch Jeanshosen aus jenem festen Denim der 60er, die ein ganzes Leben lang hielten, obwohl sie mit der Zeit durchlöcherten und ausblichen. Solche Jeans gab es irgendwann nicht mehr zu kaufen, da sich die Produktionsverfahren geändert hatten und das Denim damit viel dünner gewebt wurde. Bei einem Japanaufenthalt entdeckte Donwan Harrell einen Familienbetrieb, der amerikanische Webstühle aus den 60er Jahren gekauft hatte und solche Jeans herstellte, wie Harrell sie aus seiner Kindheit und den Auto-Kultfilmen kannte. Harrell war begeistert, konnte die Hosen auf dem japanischen Markt aber in seiner Größe kaum auftreiben und so war die Idee für prps geboren. Feinste afrikanische Bio-Baumwolle kauft Harrell noch heute dafür ein, seine Jeans kosten etwa 500 Euro. Dafür sollen sie aber auch das Beste vom Besten sein.

Neben der Qualität war der Look des Denims ausschlaggebend. „Was bis dato auf dem Markt mit übertriebenen Waschspuren und dem angestrengt ausgeblichenen Quatsch auf dem Markt war, fand ich peinlich. Die Mechaniker bei den Dragster Rennen, die ihre zerschlissenen, ausgewaschenen Jeans getragen haben, mit Ölflecken, kleinen Rissen und Löchern, die sahen richtig cool aus. Die haben sich nicht darum gekümmert, was mit ihrer Kleidung war, die hielt einfach. So was Simples, Lässiges wollte ich auch für meine Jeans haben.“ Harrell mag kein Schi-Schi, er stehe auf ehrliches, authentisches Design, auf guten Geschmack, den die meisten einfach nicht hätten. Ausschlaggebend sei Einsamkeit, Nihilismus und Obsession zu kennen, welche die Kultfilme genau auf den Punkt bringen. Jener Film-Ästhetik ist nicht nur seine Sammelleidenschaft für die Drag-Racing-Cars geschuldet, sondern auch Idee und Design für sein Luxus-Jeanslabel prps. Eine „freie und lässige Kultur“ und „eine klassische, nostalgische Vision von amerikanischem Lifestyle der besten Art“ machte Donwan dann auch zu seiner Design-Philosophie. Harrell ist niemand, der das nur als Marketingstrategie nutzt. Er lebt diese Philosophie auch.
„Die meisten Schauspieler wissen gar nicht, was es heißt, cool zu sein. Die haben nicht die Lässigkeit Steve McQueens, der noch immer eine Stilikone ist. Das, was er trug, sieht heute noch super aus. Der Mann hatte einfach Geschmack. Mir fällt auch niemand ein, der da heran reicht.“ Harrell überlegt eine Weile. „Okay – Daniel Craig vielleicht. Und Jude Law! Der ist fucking hot. Der ist auch ein bisschen ein Rüpel, ich meine, der hatte was mit seinem Kindermädchen. Aber der weiß, wie man sich privat gut anzieht. Alles, was der noch braucht, ist ein gutes Auto.“ Harrell hat nicht nur EIN gutes Auto. Neben seinem Lieblingswagen, einem 69 Barracuda Notchback, einem kleinen, ziemlich schnellen Auto, und anderen Klassikern, besitzt er auch den seit 2008 produzierten Nissan GT-R. In dem könne er aber nicht mal sein iPhone aufladen – im Gegensatz zu seinem alten Caddillac, bei dem das problemlos funktioniere. So könne man den Einzug der Technik nicht immer als Fortschritt sehen, wie Harrell grinsend auf die veränderte Denim-Herstellung anspielt. Harrells untrügliches Gespür brachte prps reißenden Umsatz. Katie Holmes sorgte für den richtig großen Hype, als sie am Broadway mit den prps-Jeans von Tom Cruise gesichtet wurde. Hochgekrempelt, locker sitzend und mit einem Gürtel um die Hüften hat sie den „Boyfriend-Look“ ins Leben gerufen und spätestens da wollte jeder die Jeans haben.
Mit „Akademiks“ will Donwan Harrell, nachdem sich sein jüngeres Label prps nicht nur bei Promis wie Brad Pitt und Elle McPherson etabliert hat, den niedriger preisigen Jeansmarkt erobern. Für einen Skandal hat „Akademiks“ schon gesorgt, weil es für seinen Werbeslogan „Read Books, Get Brain“, der einen Tag lang die städtischen New Yorker Busse zierte, verklagt wurde. Als eine Zeitung darüber berichtete, fielen die Verantwortlichen aus allen Wolken. „Get Brain“ ist ein Wortspiel, es heißt nicht nur „werdet schlau“, sondern steht im amerikanischen Slang auch für Oralverkehr. Lest Bücher, bildet Euch und bekommt dafür guten Sex. Könnte schlimmere Botschaften geben.

Grease Lightning. Photos: Sebastian Mader. On the Road. Text: Nella Beljan. Erschienen in: Intersection 4 (2010), S. 98-109. Hier: S. 108f.