Blessed

by Nella

The Jimi Hendrix Experience: Foxey Lady

Ich bin ein Stadtkind. Unsere Eltern sind nie mit uns in den Wald gefahren. Wenn ich höre, dass andere Familien sonntags Pilze sammelten, bin ich schwer beeindruckt. Dafür erzählte uns unsere Mutter viele Geschichten aus ihrer kroatischen Kindheit. Von Schlangen, die sie tötete, echten Bären, die sie fürchtete und bösen Wölfen, welche nachts Hühner und Schafe rissen. Und unsere Oma war bekannt dafür, die richtigen Heilkräuter zu finden und so weiter. Trotz dieser genetischen Topbedingungen kannte sich ihre Nachkommenschaft eine ganze Weile nicht in der Branche aus. Und die Vöglein vor meinem Balkon in Bielefeld, die ab vier Uhr nachts anfingen zu trällern, denen hätte ich am liebsten den Hals umgedreht. (Allgemeines Entsetzen, wenn ich das in die Runde sagte. Bis die Leute dann mal bei mir übernachteten. Spätestens um fünf flehte jeder um Gnade und ein geschlossenes Fenster.)

Nach Jackie und Hot Dog hat sich mein Verhältnis zur Natur grundsätzlich geändert. Ich schloss sogar Freundschaft mit dem mageren Fuchs, der den ganzen letzten Sommer vor meiner Haustüre entlang strich. Nach durchtanzten Nächten setzte ich mich immer noch eine Weile an den Kanal. Und eines Morgens hatte ich eine Epiphanie. Und deshalb war ich überzeugt davon, ich könne den Fuchs streicheln, wenn ich nur still auf ihn wartete. Der Fuchs sah das anders, er trottete unbeeindruckt an mir vorbei. Meine Freundin S. fragt immer noch schelmisch, wenn sie wissen will, ob ich eine lange Nacht hinter mir hatte: “Und, Nella, hast Du heute wieder den Fuchs gestreichelt?!” Hab ich, Kleines. Und bald wieder mit Dir. Ich herz’ Dich virtuell und sag: Auf bald. Yours truly, Nellski. Ach, ja, was die morgentlichen Geräusche angeht, konnte ich jüngst feststellen, dass ich weniger empfindlich geworden bin. Da wurde ich nämlich von einer Schwanenfamilie geweckt, die fröhlich in den Tag quackte. Und erwischte mich dabei, wie ich dachte, “Och, is’ ja eigentlich ganz idyllisch.” – Aber, hey, DAS bleibt jetzt wirklich unter Uns!

Picture by The Ghost Ships