In your head

by Nella

Foals: Spanish Sahara

Fury, was is’ da los. Hatte Energie für eine ganze Kompanie inklusive deren Kavalleriepferde. Immer, wenn mich was beschäftigt, renne ich los. Denn wenn die Gedanken um etwas toben, brauchen sie eine größere Spielwiese als den meist doch recht kleinen Kopf. Ab und an drückt mir auch ein Familienmitglied die Joggingschuhe in die Hand, vorzugsweise, wenn ich wie von der Tarantel gestochen zig Ecken gleichzeitig in meiner Bude aufräume. Die Wohnung aufzuräumen ist ein guter Anfang. Aber wer sich wirklich in Ordnung bringen will, dem empfehle ich schweißtreibenden Dauerlauf (warum sagt man eigentlich nicht mehr Dauerlauf? Oder Nickerchen. Oder Disko.) Selbst Kierkegaard, Sören, bescheinigte seiner Lightversion, dem Gehen, eine reinigende Wirkung. Man könne sich sogar seine Sorgen weggehen. Das kann ich verstehen, denn bei jedem Schritt wird nichtiger, was einen wie auch immer bedrängt. So wird das Leben buchstäblich zum Spaziergang. Auch Werner Herzog kann das bestätigen. Als er die Nachricht erhielt, dass die von ihm verehrte Lotte Eisner todkrank sei, zog er sich wortlos eine Jacke über und machte sich auf den Weg, die 700 km von München nach Paris zurückzulegen. Zu Fuß. Um der Lotte, nicht mehr brotschneidend, mit seiner weltlichen Wallfahrt das Sterben zu verbieten. Als er nach drei Wochen bei der Freundin eintraf, war diese wieder genesen. Hatte also geholfen, der Protest gegen den Tod. Herzogs Tagebuch über diesen strammen Marsch wurde ein Bestseller: Vom Gehen im Eis.

Und ja, bei Eis loszustiefeln ist wirklich unangenehm. Aber nein, bei Schnee lässt sichs wunderbar joggen, fast so wie am Strand in Malibu, nur ohne roten Badeanzug. Blöd wirds – das Joggen jetzt – erst ab Minus 15 Grad. Da tut-tut-tut das Atmen weh (tut ist ein schlechtes Verb, nicht wahr). Oder, wenn der Schnee zu Motsche wird und glitschiges Eis, schliddriger Bogen geschlagen!, einen ins Taumeln bringt. Also, keine Ausreden, wer mit sich ins Reine kommen mag oder auch dort bleiben will, der möge sich ab und an sportlich völlig verausgaben. Übrigens: Sex zählt nicht. Jedenfalls nicht der mit stimmhaftem S. Sag ich, stimmlos.

Photo by Chloé Richard