Nella Beljan

Buchstaben sind Freunde

But

The Drums: Days (Trentemoller Remix)

“Rose is a rose is a rose.” (Gertrude Stein)

Gertrude Stein war eine experimentelle Schriftstellerin und bedeutende Kunstsammlerin. In ihrem Salon gaben sich die bis dahin noch unbekannten Malergrößen wie Matisse, Braque und Picasso die Klinke in die Hand. Das erste Bild, das Gertrude Stein von Pablo Picasso sah, kaufte ihr Bruder Leo Stein. Gertrude gefiel zwar das Bild nicht, sie freundete sich aber nach der ersten persönlichen Begegnung mit Picasso an und saß ihm bald Modell. Auf die Bemerkung, dass das fertig gestellt Gemälde Gertrude Stein nicht ähnele, antwortete Picasso: “Es wird ihr ähnlich sehen.”

Die Zeile oben stammt übrigens aus dem Gedicht Sacred Emily. Ernest Hemingway schickte Getrude Stein nach einem großen Streit sein neuestes Buch. Und versah es mit einer handschriftlichen Widmung, die eine wenig freundliche Anspielung enthielt. Der Text lautete: A bitch is a bitch is a bitch. Spätestens danach waren Stein und Hemingway keine Freunde mehr. Das war 1927. Aber an der Feststellung von Stein ist nicht zu rütteln. Mir hat das Bild mit dem Zitat eine Freundin geschickt, als kleines Mantra. Das war vor wenigen Tagen. Damit wir immer wissen: Rose is a rose is a rose.

(Pic by Mirjam Wählen, Music via Steffi Th.)

Fool for

Rhye: Open

Da passiert ganz schön was in dem Video. Sodom und Gomorrha unter-über-mit-neben der Bettdecke. Youtube hat das Video direkt von seiner Plattform geschubst, bei Vimeo ist man in Sachen Sex etwas generöser. Ist ja auch ein schönes Video zu einem ebenso schönem Song. Mit einer direkten Message: Stay open. Bittesehr.

(Music via Meggi, Pic via Ahnini)

Der Stille Sonntag *56

Matthew Dear: Gem

Hervorragend mampfige Pancakes kann man am Wochenende im California Breakfast Slam essen. Mit Blaubeeren, Walnüssen in einem Butterstückchen on top kredenzt, damit es auf den warmen Pancakes zerläuft und natürlich Ahornsirup zum selber drüber gießen. Großartig! Für alle, die eher das Katerfrühstück brauchen, gibt es Ei in den verschiedensten Variationen, von Spiegeleiern mit Tomatengeschnetzeltem und Guacamole auf Schwarzen Bohnen, über Eggs Benedict (mit würzigen Bratkartoffeln und herrlich frischem Salat serviert) bis hin zu veganem Tofueiern mit Black Beans, ebenfalls chön charf gewürzt. Mexifornian Style! In diesem Café gibts kein Schi-Schi, sondern Leckeres zu einem fairen Preis. Die Einrichtung ist dafür ziemlich hässlich und herunter gekommen. Das macht dem gemeinen Berliner jedoch überhaupt nix, speziell an Sonntagmittagen ist es hier rappelvoll. Guter Laden, mitten in Neukölln. Yummi!

California Breakfast Slam, Pflügerstr. 19, 12047 Berlin. Öffnungszeiten: samstags & sonntags, 10-16h

Die Franzosen!

Bon Iver: For Emma, Forever Ago (Blogotheque, Take away Show)

Sagt man über ein bestimmtes Völkchen nicht, es versprühte außerordentlichen Charme, gerade, um die Damenwelt zu erobern? Für National-Helden gilt dies offenbar nicht. Serge Gainsbourg, die alte Saufnase, traf 1986 in einer Talkshow auf die blutjunge Whitney Houston. Erst küsst er ihr noch einigermaßen galant die Hand. Dann schlampt der Moderator bei der Übersetzung seiner überschwänglichen bis anzüglichen Kommentare. Aber nicht mit Serge! Der sagt frei heraus, man sei hier nicht im Kalten Krieg, sondern er eben auch nur ein Mann, der neben Whitney Houston säße. Naja. Eigentlich äußert er sich viiiiel offener zu dem, was er mit der Lady vorhat… Ihre Reaktion: ein herrliches “Whaaaat?!”. Selber schauen!

(Pic via FUVM, Video via VEN)

Lighten up

William Hughes: Snowboarding in LED-Suit (Nowness Film)

Snowboarder Will Hughes fährt in einem Leuchtanzug nachts ‘nen Hang in den französischen Alpen hinab. Yaaaaiiii! Ein Kurzfilm von Jacob Sutton. Wie immer bei den Nowness Filmen mit superschöner Musik unterlegt. Im Vollbildschirm Modus schauen! Daumen hoch. Dermaßen!

(Video via Nerdcore, Pic by Hannah Skoonberg via Twisterella)

Instead of

Prince: Seven

Immer muss ich lachen, wenn ich die Peanuts sehe.

(Music via Kiki)

Valentin Dich selbst

New York Times Magazine: 14 Actors, James Franco

So macht man das also, James Franco! In dem Video oben kann man den amerikanischen Schauspieler und Künstler dabei beobachten, wie er sich, völlig angetan von dem, was das eigene Spiegelbild ihm bietet – richtig ins Zeug legt, um sich selbst aufzureißen. Von der unspektakulären Begrüßung bis hin zum verliebt-dösigen Angelache und Geküsse.

Entstanden ist das großartige Video im Rahmen einer Sonderausgabe des New York Times Magazine, das vierzehn Hollywood Stars für etwa eine knappe Minute mit der Kamera alleine ließ. Michael Douglas, Anthony Mackie, Tilda Swinton, Javier Bardem, Natalie Portman, Matt Damon und andere Hochkaräter, sie durften machen, was sie wollten in ihren tonlosen schwarz-weiß-Portraits. Einzige Auflage war: ästhetisch sollte es ausschauen, die Musik des Komponisten Owen Pallett wurde später darüber gelegt. Micheal Douglas sieht man übrigens bei einem seiner ersten Auftritte nach seiner schweren Krebserkrankung. Würdevoll sitzt er in seinem Sessel, nur wenige Gesten und reduzierte Mimik, und dennoch vergeht die Minute unvergleichlich schnell. Beeindruckend. Regie führte bei allen Videos der Norweger Solve Sundsbo. Ein New York Times Blogger schrieb dazu die wahren Worte: “These brief clips portray not only the art, but also the joy and vigor of performance.”

(Pic by Richard Phibbs, Videos via Friedemann)

Shit girls say

Dieses Video habe ich am Wochenende zugeschickt bekommen. Und mich weggeschmissen vor Lachen: Was den Zorn zahlreicher Frauengruppen auf sich ziehen könnte, führte zu einem unglaublichem Hype gerade von Seiten der so dermaßen auf den Arm genommenen Damenwelt. Kyle Humphrey & Graydon Sheppard haben sich die Mühe gemacht, und die Sprüche von Frauen bei Twitter gesammelt und allein daraus das Skript für Shirt Girls say gebaut. Graydon Sheppard hat sich dann auch in Frauenklamotten geschmissen und die Lines der Twitter-Userinnen mit langem Zopf, Mörderstilettos und passenden Gesten vorgetragen. Sein Freund Kyle Humphrey, seines Zeichens nicht nur Graphik Designer und  Art Director von Feists Album Metals, sondern auch Regisseur, hat die Bilder dann zum Laufen gebracht. Herausgekommen sind drei Videos, die den Tag im Leben einer Frau zeigen. Grooooßartig. Was bierernste Wahrheit ist, wurde dermaßen humorvoll in Szene gesetzt! Drei Folgen waren geplant, drei Folgen sind dabei entstanden, wobei die erste die herausragendste ist. Vielleicht kommt ja noch Nachschub, genügend Material müsste es geben. Als kleines Schmankerl obendrauf: Juliette Lewis war einer der ersten Twitter-Followers von dem Team und hat direkt eine Nebenrolle übernommen. So einfach kann’s gehen!

(Video via P)

Der Stille Sonntag *55

Warren Ellis & Nick Cave: All Things Beautiful

Tacheles aus der Jetzt.de Redaktion: “Frostige Witterung und die Wäschekollektion von David Beckham für jenen bekannten schwedischen Modehändler haben dieser Tage ein diskussionsbedürftiges Sujet zurückgebracht: die lange Unterhose. Ein grundsympathisches Kleidungsstück (…) Ihr [Jungs] jedoch verschmäht die lange Unterhose sogar bei zweistelligen Minusgraden. Zumindest behauptet ihr das lautstark – ein paar Exemplare scheinen sich ja doch losschlagen lassen, sonst gäbe es sie wohl nicht jedes Jahr wieder zu kaufen – und lasst euch uns gegenüber auch nicht in ihr blicken. Jedenfalls habe ich das bei den mir intimer bekannten Herren festgestellt. Das ist zugegeben noch keine repräsentative Stichprobe für männliche Wäschevorlieben. Doch auch Nicht-Stichproben-Bestandteil Beckham posierte für die Kampagne zu seiner Schlüpferkollektion zwar in diversen Modellen, nicht aber in der langen Unterhose. Es scheint uns daher, als schämtet ihr euch darin. (…) Warum denn bloß? Wir Mädchen kämen bei dieser Eiseskälte doch auch nicht auf die Idee, auf unsere Strumpfhosen zu verzichten (…) Warum sollten wir es also umgekehrt bei euch verdammen, wenn ihr euch gegen die Kälte wappnet? Wenn irgendjemand dafür Verständnis haben dürfte, dann doch wir bekennenden Frostbeulen mit dem ungünstigen Fettmasse-Muskelmasse-Verhältnis. Nicht zuletzt wollen wir ja am Ende des Tages unsere trotz Strumpfhose und dicker Wollsocken immerkalten Füße an eurer Körperwärme auftauen!” Der komplette Text: Juliane Frisse: Jungs, warum schämt ihr euch in langen Unterhosen? In: Jetzt.de vom 10.02.2012.

Zur Musik: Die stammt aus dem Soundtrack vom Brad-Pitt-Film The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford. Eine Sammlung wunderschöner Lieder. Bittesehr.

(Pic via Ahnini)

Like Spring

When Saints go Machine: Kelly

Gestern Abend wurde in Berlin Mitte die Ehemalige Jüdische Mädchenschule eröffnet, die drei Galerien, zwei Restaurants und ein Deli beherbergt. Eigentlich wollte das C/O Berlin dort einziehen, aber da waren nun andere schneller. Kein Wunder, dieses Gebäude ist der Kracher. Drei Etagen inklusive früherer Aula und Turnhalle, so geschmackvoll renoviert, dass der Charme der alten Gemäuer nicht verlustig ging. Auf der Opening Party tummelten sich reiche, pelzbehangene Russen, Charlottenburger Kunstsammler und das übliche Galeristenvolk, viele alte jüdische Familien sowie die Mitte Party People. Denn: Neben den illustren Galerien Camera Work, Eigen + Art und Haas und Fuchs, die hier Dependancen eröffneten, legten auch die Macher des Grill Royal im Erdgeschoss ein weiteres kleines Restaurant nach: den Pauly Saal, der im Sommer auch mit einem weitläufigen Sommergarten aufwartet. Der Sternekoch Siegfried Danler versorgt seine Gäste mit deutscher Hausmannskost und damit keiner hungrig bleibt, gibt’s bei Bedarf den Nachschlag für umme.

In dieser Manier wurden bei der Eröffnungsfeier auch keine Canapés gereicht, sondern Stullen in weißem Butterbrotpapier. Nebenan im zweiten Restaurant, dem veganen The Kosher Classroom, sah das für den Abend zumindest ein wenig reichhaltiger aus: Dort dinierte man bei zahlreichen kleinen Schälchen mit allerlei Leckereien unter einer alten Schul-Tafel. Jedenfalls raunte irgendwann im Pauly Saal jemand: “Das ist das King Size für Hausfrauen!” [Das King Size ist eine minikleine Bar in Mitte, über deren Hermès Spiegel auf der Toilette schon viel geschrieben wurde. Außerdem hat Moritz von Uslar ihr ein journalistisches Denkmal gesetzt, weil er hier ordentlich auf den Putz gehauen hat.] King Size für Hausfrauen? Banause! Denn am Donnerstag ging dort, im Pauly Saal, die Post ab! Und das im besten Sinne. Zusammengefasst: tolles Gebäude, gute Malereien und, wer’s mag, viele Arbeiten des Fotografen Robert Polidori (nicht die Tschernobyl-Aufnahmen, sondern welche vom Kreml, Havanna und Versailles); darüber hinaus ein Ort zum Verweilen, nachdem man genug Kunscht eingesogen hat. Daumen hoch!

Ehemalige Jüdische Mädchenschule, Auguststr. 11, 10117 Berlin. Auf der offiziellen Homepage auch mehr Informationen zur Geschichte des Hauses.

(Music via Meggi)

Ranchos Relaxos?

Mayer Hawthorne: Dreaming

“The question isn’t who is going to let me; it’s who is going to stop me.” (Ayn Rand)

(Pic via Alternativen)

Was is’ da los

Spiritualized: Ladies and Gentleman, we are Floating in Space

Das ZDF fragte Ende letzten Jahres: “Sollten deutsche Geheimagenten zur Abwendung von großen Gefahren, z.B. Terroranschlägen, töten dürfen oder sollten sie das nicht?” Insgesamt 54% der Befragten befürworteten Tötungen durch den Geheimdienst. Bei den Befragten, die unter 24 Jahre alt waren, sprachen sich sogar 70% für ein Recht der Agenten zum Töten aus. Hallo?! Zuviel Action Movies geguckt, oder was?! Soll mal einer sagen, die Jugend wäre unpolitisch und hätte nur Parties im Kopf. Nein, die unter 24-Jährigen aus der Befragung haben Angst vor Terroristen, wie man sieht, und wollen alles aus dem Weg geballert wissen, was unter BND-Verdacht steht. Soso.

Der schweizer Historiker Philipp Sarasin hat ihn seinem klugen, wenn auch nicht unumstrittenen, Buch Anthrax gezeigt, wie die Angst vor Bedrohung instrumentalisiert wurde. Aus Terror wurde Bioterror, aus Bioterror Massenvernichtungswaffen, und damit die Angriffe auf den Irak gerechtfertigt. Fiktionen waren es nach Philipp Sarasin also, welche die Reaktionen und Gegenreaktionen auf 9/11 gesteuert haben, sodass viele Amerikaner tatsächlich Saddam Hussein als Verantwortlichen für die Anschläge ausmachten.

Das ZDF hat auf anderer Ebene ebenfalls unfreiwillig unterstrichen, wie Angst geschürt wird, nämlich jene vorm linken Extremismus. Die Straftaten von rechter und linker Gewalt sind laut Verfasssungssschutzbericht 2010 gesunken. Straftaten von rechter Gewalt gingen von 18.750 Straftaten auf 15.905 herunter, also ein Minus von 15,2%. Linke Gewaltstraftaten sanken von 4.734 im Jahr 2009 auf 3.747. In einer Graphik nun benutzte das ZDF keinen einheitlichen Maßstab für die Darstellung von rechter und linker Gewalt. Heraus kamen zwei optisch gleichhohe Balken. Wie das aussah und eigentlich hätte aussehen müssen, guckstu hier. Verblüffend, oder?! Und eine große Sauerei. Dabei wollte ich heute nur das schöne Bild und Lied posten.

(Music via Marc C.)

Der Stille Sonntag *54

Townes Van Zandt: If I needed you

Nachhause gehen, wenn in der Bar ein gutes Lied läuft.

(f.M., Pic via Playin)

Einmal den Führerschein, bitte

Lauryn Hill & Ziggy Marley: Redemption

Won’t let


Jack White: Love interruption

Jack Whites Solo-Album Blunderbuss kommt Ende April raus. Hier schonmal eine kleine Hörprobe. Applaus!

(Music via Mimy)

Great Lady

Blur feat. Françoise Hardy: To the End (La Comedie)

Bissken schmalzig, das Lied heute. Aber schön, wa?! Die großartige Doku Françoise Hardy: Ikone der Melancholie wird übrigens heute Nacht vom 3. auf den 4. Februar auf Arte wiederholt. Den Film über die zurückhaltende französische Chanson-Sängerin habe ich trotz des schlimmen Titels bereits vor ein paar Jahren mal gesehen. Die kluge und ‘immer noch’ wunderschöne Françoise Hardy hat das Team zu sich nachhause eingeladen (natürlich ein idyllisches wie atemberaubendes Heim!) und erzählt aus ihrem ereignisreichen Leben. Toll! Ich bin fast verliebt.

Glücklich verschlang ich einen Stern

Róisín Murphy: Through Times

Ich war 16 als Hundert Freuden ins Deutsche übersetzt endlich als Taschenbuch herauskam und Wisława Szymborska meine absolute Heldin. Gestern ist die große polnische Dichterin im Alter von 88 Jahren verstorben.

Anflug
In diesem Frühjahr kamen die Vögel wieder zu früh zurück.
Freu Dich Vernunft, auch der Instinkt also irrt.
Er übersieht was, vergafft sich, und schon fallen sie in den Schnee
und kommen erbärmlich um, verkommen, ungeachtet
der Konstruktion ihrer Kehlen, ihrer winzigen Krallen,
ihrer redlichen Knorpel, der zuverlässigen Schleimhaut,
der Zuflüsse zu ihrem Herzen, des Labyrinths der Därme,
der Schiffe von Rippen und Wirbeln in lichten Zimmerfluchten,
ihres Gefieders, das würdig wär’ eines Pavillons im Museums jeglichen Handwerks,
und des Schnabels von der Geduld eines Mönchs.

Ich klage nicht, ich empöre mich nur,
dass ein Engel aus wahrem Eiweiß,
ein Springinsfeld mit Drüsen vom Lied der Lieder,
einzeln in Lüften, ungezählt in der Hand,
Zelle für Zelle vereint zur Gemeinsamkeit
von Raum und Zeit, wie ein klassisches Stück
im Applaus der Flügel –
fällt und sich neben den Stein legt,
welcher auf seine archaische Weise
aufs Leben hinabblickt wie auf verworfene Experimente.

“Über Szymborskas Poetische Kunst zu schreiben ist für den Kritiker eine dankbare Aufgabe. Nicht zuletzt deshalb, weil die Dichterin diese Kunst quasi verborgen hält, als ob sie sie verheimlichen (…) wolle. (…) Ihre Sprache lebt von Elementen der Umgangssprache, ihre Poesie folgt den Idealen der Mittelbarkeit und der Natürlichkeit. Von der eigenen Kunstfertigkeit lenkt sie ab, indem sie diese durch einen Scherz oder durch Selbstironie bagatellisiert; oder aber, indem sie sie auf eine derart perfekte Art funktionalisiert, dass sie fast unsichtbar wird. (…) Der Individualismus ist nicht nur Strukturprinzip dieser Poesie, sondern auch ein Moralprinzip. Szymborska – und das ist eine der trotzigsten Tendenzen ihrer Dichtung – nimmt den Menschen in Schutz: vor dem Verlorengehen in der Masse, vor der Versklavung und Verdinglichung durch Staaten und Mächte, vor dem Gefängnis der Grenzen, Statistiken und Formulare, vor dem Verschwinden in der großen Zahl.”

Zit. aus: W. Szymborska: Hundert Freuden. Nachwort von Jerzy Kwiatkowski, S. 205-217. Hier: S. 208-210. Frankfurt/M. 1996.

(Artwork by Tim Etchells via Zero)

We can hope


James Blake: Enough Thunder

“Ich glaube, dass wir das Bedürfnis haben, andere Menschen von oben bis unten zu mustern; nach einer Verbindung zu suchen oder festzustellen, dass keine besteht. Das ist die grundsätzliche Melancholie des Mediums Fotografie. Es ist diejenige des Voyeurs, der nur beobachtet und sich eigentlich wünscht, dabei zu sein. (…) Ich kenne die Menschen nicht, die ich ablichte, ich möchte auch nicht alles über sie herausfinden. Zum einen, weil mir das persönlich unangenehm ist – bei sozialen Kontakten habe ich immer eine gewisse Angst. Andererseits will ich nicht die Person selbst zeigen, sondern lediglich ihre Erscheinung, ihr Äusseres. In so einem Bild steckt also sehr wenig Information, man kann nichts lernen. Trotzdem stellen die Betrachter eine Beziehung zur Person her. Das ist genau wie beim Menschen an der Bar, der Sie anzieht: Sie werden ihn nie wirklich kennenlernen, aber Sie lernen, weshalb Sie sich zu ihm hingezogen fühlen. Und damit lernen Sie etwas über sich selbst. Das interessiert mich: unsere Reaktion auf die fremden Menschen um uns herum.” (Alec Soth)

Mit Niagara wollte Alec Soth die Liebe festhalten. Soth zeigt in dem Fotoband nicht die Liebe von Amerikanern, “die es geschafft haben”, sondern das, was er darüber in der symbolgeladenen Hochzeits-Stadt vorfand. Zunächst machte er ziemlich viele Fotos von den berühmten Wasserfällen im 80er Hardcore-Kitsch-Look. Er fuhr aber auch herum und suchte die Zeichen von vergangenen oder andauernden Liebesgeschichten in den Straßen und Bars. Bis Soth auf die Idee kam, die Anwohner nach Liebesbriefen zu fragen und sie bat, ihm die Geschichten dazu zu erzählen. Viele übergaben ihm ihre Schätze, die oft nur so von Floskeln und Musik- oder Filmzitaten strotzen, aber nichtsdestotrotz unbestreitbar voller Gefühl für den Adressaten waren. Soth fotografierte alle diese Insignien und herausgekommen ist ein ziemlich schöner, facettenreicher Band. Immer wieder entdeckt man kleine Details auf den Bildern, so wie etwa bei dem Liebespaar, das im Gras liegt. Die beiden wirkten wohl sehr verliebt und erzählten Soth, dass sie darauf stünden, sich gegenseitig Schnitte an den Armen und sonstwo zuzufügen. Vor den dunkelgrünen Hintergund der Wiese leuchtet der Oberkörper des Mannes anrührend weiß und schaut man sich die Arme der beiden genauer an, sieht man auch ihre Narben. “Ich bin zu den Niagara-Fällen aus dem selben Grund gefahren, wie die Leute, die dorthin in die Flitterwochen reisen oder all’ die Selbstmörder, die sich da in den Tod stürzen”, so Soth. “Das unaufhörliche Donnern der Wasserfälle ruft einfach nach großer Leidenschaft.”

Alec Soth: Niagara. Steidl 2006.

They knew

Portugal. The Man: And I

Portugal. The Man waren Vorband auf einem Konzert am Samstag in der Arena, Berlin. Sie bekamen nur den halben Sound und kein Licht. Und waren ziemlich großartig. Auch das Konzert der eigentlichen Stars, der Black Keys, war sensationell. Dan Auerbach hat die Lieder live besser noch als auf den Alben gesungen und eine Wahnsinns-Bühnenpräsenz.

In Sachen Organisation könnten die Veranstalter noch ziemlich was besser machen. Bei 1000 verkauften Online Tickets hielten sie es für ausreichend, zwei Mädchen vorm Eingang zu postieren. Die standen vor der Halle in der Kälte und hakten bibbernd die Online-Tickets auf einem Computerausdruck ab. So wartete man sogar eine Stunde vor Konzertbeginn sage und schreibe 45 Minuten, ebenfalls bibbernd, auf den Einlass. Aber immerhin wurde man musikalisch wirklich belohnt für seine Geduld. Ein Lied aus dem Repertoire von Portugal. The Man oben. Voilá.

Der Stille Sonntag *53

Nina Simone: To love Somebody

Bin im Homeland-Fieber. Superspannend! Gucken!

“Die Serie Homeland thematisiert die Schattenseiten von Amerikas „Krieg gegen den Terror“. So klar wie kein TV-Format zuvor zeigt der Mehrteiler, was die permanente Paranoia aus dem Land der Freien gemacht hat. (…) Auf welche Seite man auch blickt, es sind gebrochene Charaktere, mit hehren Motiven vielleicht, doch jeder und jede verstrickt in eigene Schuld: Selten hat eine Serie den Krieg so gut beschrieben – obwohl kaum ein Schuss fällt.” (Stefan Kusmany, Spiegel Online)

(Pic via Ahnini by Eric Marrian)

Geht doch

The Black Atlantic: Dandelion

Mit charmantem chollllländischen Akzent macht der Frontman von The Black Atlantic die Ansage für ihren Song beim Zeit Rekorder. Hihi. Aber ein wirklich schönes Lied!

Nach dem, was war

JJ: Things will never be the same again

Gerhard Richter wollte Tizians Gemälde Verkündigung nachmalen, weil er so beeindruckt war von seiner Schönheit. Immer ist da bei Richter die Beobachtung beim Malen, ob etwas während des Prozesses passiere, das die Wahrheit zeige, das “unsere Situation richtiger darstellt”. Und so musste er feststellen, dass die Rennaissancemalerei und ihre “schöne Wahrheit” nach dem Krieg unheilbar verloren, da nicht mehr darstellbar waren. Alles, was bei seinen Tizian-Reproduktionsversuchen heraus kam, war “verschmiert, verunklärt, verdorben”. Das Bild oben ist das erste dieser Tizian-Reihe Richters und die Gemälde daraus werden immer abstrakter. Hier zeigt sich eine von vielen Arten, wie sich Richters persönlicher Umgang mit der Materie auf einmal in etwas allgemeiner Gültiges verwandelt. Ein Statement zur Geschichte, obwohl es gar nicht zwingenderweise davon ausging, eines abzuliefern. Das zeichnet Richter auch aus: Seinem Kunstverständnis nach sollte Malerei trotz ihrer Komplexität stets leicht und mühelos aussehen. Die Gerhard Richter Retrospektive wird ab 12. Februar in der Neuen Nationalgalerie vertreten sein, mit den bekannten Arbeiten Ema (Akt auf der Treppe), auf dem er seine damalige Frau malte, jenen Portraits seiner Töchter Betty und Ella, seiner zweiten Frau Isa, die farbigen Quadrate im Großformat, der brennenden Kerze und natürlich mit dem RAF Zyklus. So viele Bilder, die man sofort wiedererkennt und dann auch noch viele, die es neu zu entdecken gibt, einfach, weil Richters Werk so vielfältig ist.

Gerhard Richter Panorama, 12.02.2012-13.05.2012, Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str. 50, 10785 Berlin.

Grundsätze

Einen Tag bevor die Deportation der Juden aus dem Warschauer Ghetto begann, brachte sich Adam Czerniaków um. Er war der Vorsitzende des dortigen Ältestenrates (von den Nationalsozialisten als Judenrat betitelt). Czerniaków hinterließ zwei Abschiedsbriefe. Einen an seine Frau:

“Sie verlangen von mir, mit eigenen Händen die Kinder meines Volkes umzubringen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als zu sterben.” Der andere Brief ist an den sogenannten Judenrat in Warschau gerichtet. In ihm heißt es: “Worthoff und seine Kollegen [vom 'Umsiedlungsstab'] waren bei mir und verlangten, daß für morgen ein Kindertransport vorbereitet wird. Damit ist mein bitterer Kelch bis zum Rand gefüllt, denn ich kann doch nicht wehrlose Kinder dem Tod ausliefern. Ich habe beschlossen abzutreten. Betrachtet dies nicht als einen Akt der Feigheit oder eine Flucht. Ich bin machtlos, mir bricht das Herz vor Trauer und Mitleid, länger kann ich das nicht ertragen. Meine Tat wird alle die Wahrheit erkennen lassen und vielleicht auf den rechten Weg des Handelns bringen. Ich bin mir bewußt, daß ich Euch ein schweres Erbe hinterlasse.”

M.R.-R. dazu: “Still und schlicht war er (Adam Czerniaków) abgetreten. Nicht imstande, gegen die Deutschen zu kämpfen, weigerte er sich, ihr Werkzeug zu sein. Er war ein Mann mit Grundsätzen, ein Intellektueller, der an hohe Ideale glaubte. Diesen Grundsätzen und Idealen wollte er auch noch in unmenschlicher Zeit und unter kaum vorstellbaren Umständen treu bleiben.

Die in den Vormittagsstunden des 22. Juli 1942 begonnene Deportation der Juden aus Warschau nach Treblinka dauerte bis Mitte September. Was die “Umsiedlung” der Juden genannt wurde, war bloß eine Aussiedlung – die Aussiedlung aus Warschau. Sie hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck: den Tod.”

(Auszug aus der Rede Marcel Reich-Ranickis vor dem Deutschen Bundestag zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Der volle Text findet sich hier.)

Listati

Future Islands: Where I found you

Die Großmutter eines Bekannten lebt in Bosnien, wo die Infrastruktur sehr viel schlechter ist als etwa hier in Berlin. Die Menschen, und sogar die ganz alten, die in jenen entlegeneren Winkel dieser Erde leben, sind total erpicht auf die neueste Technik. Und so war die Baba, wie die Großmütter dort genannt werden, sehr neugierig, als ihr der Spross ein Iphone unter die Nase hielt. Er erklärte ihr, dass sie auf dem Touchscreen wie in einem Buch blättern müsse, um zum nächsten Foto zu gelangen. “Ah, so!”, sagte die alte Frau, befeuchtete ihren Zeigefinger und los ging’s mit dem Umblättern. Niedlich, oder?!

Apropos Iphone. Statt dieser Bumper, die man als Schutz für’s Iphone kaufen kann, gibt es auch dies: Ganztelefon-Hüllen. Sehen meist spießig aus. Eine überaus hübsche von CAF verkauft gerade der Schiesser-Murkudis-Store (Münzstr. 23, Berlin-Mitte), die der von Isaac Reina ähnelt. Die wiederum liegt bei 180,- Euronen, während die aus dem Schiesser-Murkudis-Store für erschwingliche 49,- Euro zu haben ist. Finde ich auch schöner als die teurere von der Konkurrenz, da sie aus festerem Leder besteht. Vom selben Hersteller gibt es auch Visitenkarten-Etuis, die fast genauso aussehen. Nur halt ‘n bisschen kleiner. Die Iphone-Hüllen gibt’s in schwarz, braun, rotbraun und grün. Sauchic!

Autsch

Thom Yorke / Four Tet / Burial: Mirror

Recall the cruel joke from Lubitsch’s To be or Not to Be: when asked about the German concentration camps in occupied Poland, the responsible Nazi officer “concentration camp Erhardt” snaps back: “We do the concentration, and the Poles do the camping.” Humor ist brutal und eine ernste Angelegenheit, so Žižek. Nach der kleinen Kostprobe glaub’ ich’s ihm auf’s Wort. Zitat aus: The Collected Jokes of Slavoj Žižek. Limited Edition of 1. Mickey Mouse Club 2011, S. 15.

300 Millions and 70

Eddy Murphy: Raw

Ich liiiiiebe Eddie Murphy. Nur 48 Stunden, Der Prinz aus Zamunda, Die Suche nach dem goldenen Kind, Boomerang usw. X-mal geguckt, jedes Mal weggeschmissen vor Lachen. Die Stand Up Comedy von Eddie Murphy, Raw, kannte ich leider noch nicht. Was ‘ne Schande! Im hautengen lilafarbenen Lederanzug steht er auf der Bühne und macht Faxen. Niemand kann dermaßen schön Leute nachmachen und vor allem so maschinenpistolenschnelle Sätze von sich geben! In dem Ausschnitt ab 1:30 Minute anfangen zu schauen, bitte. Eddie Murphy fängt langsam an und zieht dann richtig vom Leder. Über amerikanische Frauen, Gütertrennungen und seinem Wunsch nach einer Freundin aus dem afrikanischen Busch, die mit blankem Popo auf einem Zebra dahergeritten kommt. Oder so ähnlich. Megasexistisch, megawitzig!

(Raw via *P, Pic via haw-lin)

You’ll be given

Timber Timbre: Until the Night

Timber Timbres Album Timber Timbre höre ich immer noch rauf und runter. Was für coole Säue! Aber von was anderem: Ausgerechnet mir ist eine Katze zugelaufen, dabei bin ich wirklich kein Katzenfreund. Als ich mal in einem Waisenheim gearbeitet habe, habe ich mir von den dort wohnenden Kindern ein Rudel Babykatzen aufschwatzen lassen. Die waren natürlich erst unglaublich niedlich. Seitdem ich aber die Fights ums Futter mitbekommen habe, denke ich, bin ich eher der Hundetyp. Neulichnachts kam mir also so ein Katzen-Vieh zugelaufen. Während ich beim Entrümpeln kurz die Tür öffnete, sprang sie in meine Bude. Neugierig schaute sich der abendliche Gast bei mir um, ansonsten aber straften wir uns gegenseitig mit Nichtachtung. Irgendwann bemerkte ich jedoch, während ich mich mit meiner Aufräum- und Wegschmeiß-Aktion weiter von Zimmer zu Zimmer vorarbeitete, dass mir die Mietzekatze ein paar Minuten später stets hinterherschlich. Bis sie sich endlich vor mir auf den Boden warf und alle Viere lang machte. Ich kraulte Schnubbi versöhnlich und er schnurrte dazu wie eine vielbefahrene Autobahn. Um drei Uhr nachts erreichte uns dann die SMS der eigentlichen Besitzer, die erst nach Stunden meinen Aushang über den kleinen Ausbrecher gelesen hatten. Ich muss zugeben, ich war fast traurig, als sie ihn abholten. Aber das bleibt unter uns! Und für alle, die der Unterschied zwischen Katzen- und Hundefreund interessiert, hier wird das und noch viel mehr im Interview erklärt von einem staatlich geprüften Katzenforscher. Bittesehr.

(Pic via Pimp my Unicorn)

Would you pick me up

Hello Saferide: The Quiz

Aushang in einem Supermarkt an der Schönhauser Allee. Ich weiß nicht, wie die Erfolgschancen standen. Aber ich habe  die Daumen gedrückt!

(Music via Stephie M. und Danke an Lars Malte)

Strike

Queen: Don’t stop me now

Technik ist nicht mein Freund. Als ich aber das letzte Mal meinen DSL-Anschluss einrichtete, funktionierte das reibungslos. Ich war stolz wie Bolle. Die komplikationsfreie Installation führte jedoch nur zu einem: Größenwahn meinerseits. Heute kam nämlich der Router von meinem neuen Anbieter. Hoch motiviert machte ich Tabula Rasa mit dem alten Ding und riss alle liebevoll gesteckten, jahrelang bewährten Kabel heraus. Schließlich gab es ja bei der neuen Internetz-Kiste ebenfalls eine idiotensichere Schnellanleitung mit ebenso idiotensicheren Bildchen zum noch idiotensicheren Verständnis. Fünfzehn Mal alles eingesteckt wie vorgegeben, nix klappte. Also Telefonseelsorge bei der technikversierten Schwester (untertänigsten Dank für die Geduld), ruhig durchatmen und noch einmal alles haargenau wie vorgeschrieben einstöpseln. Und siehe da.  Auf einmal leuchtete das DSL-Lämpchen. So oder ähnlich muss sich der liebe Gott gefühlt haben, als er sagte: “Es werde Licht”, und zack!, schmiss sich die Sonne an. Wirklich wahr. Ich bin zwar zugegebenerweise weder der liebe Gott noch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika geworden wie der kleine, siegesbewusste Barack Obama da oben ein paar Jahrzehnte später. Aber: Glück kann so einfach sein. (Ohmmmmm. Nächstest Mal lade ich wieder ‘n Mann ein, der mir die Scheiße einrichtet. So. Mit kurzem o.)

Der Stille Sonntag *52

Robyn: Show me Love

Order von der wunderschönen wie herzensguten Frau Mond, die bunten Blumen für heute zu nehmen. Ay, ay, Sir! Äh, M’am! Und: Musik von Robyn. Bei Iheartradio. Dort hat sie alle ihre Songs in langsamere Stücke uminterpretiert. Hands up.

Das Zeichen bleibt immer Sieger

Bon Iver: Blood Bank

Justin Vernon aka Bon Iver sieht aus wie ein Waldschrat in diesem Live-Mitschnitt. Aber spätestens wenn er singt, ist das alles egal. And then the snow started falling…

(Music via Meggi, Überschrift via Roland Barthes, Pic via Honeybunnywalk)

Nothing’s been proofed

Ricky Gervais: Golden Globes Rede 2012

“Ricky Gervais is a hell of a god.” Der Mann hat den Nachnamen eines Fruchtgarten-Desserts. Und serviert direkt zur Eröffnungsrede der diesjährigen Gloden Globes sein loses Mundwerk. So lange Reden werden oft peinlich, weil viele unlustige Pointen drin sind. Hier isses’ anders. Superwitzig!

(via Nikolai P., Pic via Ahnini)

Oder so

Daughter: Youth (live)

(Pic via Designcube, Music via Meggi)

Geprüfte Sicherheit

Sicherheitsstandards anno ’76

>„Sexuelle Macht besteht darin, das Verlangen mit all’ seinen Kompliziertheiten zu verstehen“, sagt die Video- und Fotokünstlerin Laurel Nakadate. Der Wahl-New Yorkerin geht es jedoch nicht darum, Männerphantasien zu erfüllen und abzulichten –  obwohl es auf den ersten Blick so wirkt. Für ihre Projekte ließ sich die mittlerweile 36-jährige Yale-Absolventin von Unbekannten ansprechen.  Auf Parkplätzen, in Tiefgaragen, einsamen Appartment-Anlagen und Supermärkten. Also nicht gerade Orte, an denen man als junge attraktive Frau von alten, einsamen Singles angegraben, geschweige denn aufgegabelt werden möchte. (…)
Ihren ersten Film drehte Laurel Nakadate, deren Arbeiten jüngst als zehnjährige Retrospektive im renommierten MoMA PS1 gezeigt wurden,  mit einem Nachbarn. Nakadate lebte damals nicht wie ihre Kommilitonen auf dem Campus der amerikanischen Elite-Universität Yale, sondern in New Haven. Das seien zwei komplett unterschiedliche Welten und für genau diese Abgründe interessiert sich Nakadate immer noch. Ob sie das Telefon des Nachbarn benutzen könne, um die Hausbesitzer um eine Kopie ihres Schlüssels zu bitten, der in den Fahrstuhlschacht gefallen sei. „Eigentlich habe ich eine Kopie deines Schlüssels in meiner Wohnung“, antwortete ihr der bis dahin  unbekannte Mann. Anstatt schreiend davon zu laufen, unterhielt sich die damals 22-jährige weiter mit dem etwa 50-jährigen, und erzählte ihm, dass sie Fotografin sei. Daraufhin lud er sie zu sich nachhause ein. Die Einladung würde sie annehmen, ob sie aber ihre Kamera mitnehmen dürfe? Ein Hindernis stellte das wohl nicht gerade und so fotografierte sie ihn und sich in seiner Einzimmer-Wohnung. Und fing etwas von dieser Trostlosigkeit, aber auch der Suche nach Nähe ein. Mit ihren Arbeiten zeigt Nakadate über dieses Setting hinaus etwas Universelleres, sie spricht von der Einsamkeit des Menschen, von der Absurdität mancher Begebenheiten. Nie verhöhnt sie jedoch weder ihre Protagonisten, noch sich selbst (…)
Oft machen die Bilder, auf denen Frauen mit wenig Textilien abgelichtet werden, die Körper zum Objekt. Bei Nakadates Fotos sieht man aber auch die Männer, die sich die Bilder anschauen. Entweder gleich mit abfotografiert, also selbst zum Motiv geworden, oder eben als deren Fleisch gewordene Phantasie bei ihrer Fotoreihe Lucky Tiger. Mal ist sie dort auf der Transportfläche eines Trucks abgelichtet (die bezeichnenderweise Long Bed genannt wird), mal, wie sie im Stars and Stripes Bikini wie ein Cheerleader in die Luft springt. Eigentlich sind diese Fotos die harmlosesten. Nakadate ließ die Männer, denen sie die Aufnahmen dann reichte, jedoch ihre Hände in Farbe tauchen und so erkennt man sehr genau, an welchen Stellen sie die Bilder anfassten. Etwas Schmuddeliges bekommen diese Aufnahmen, wurden sie doch buchstäblich mit Schmierfingern betatscht, die zu jenen Männern gehören, deren Phantasien sie realisierte. So werden die Innenansichten durchschnittlicher Amerikaner und deren Begierden und Sehnsüchte dokumentiert. (…)
Laurel Nakadate scheint uns mit ihren Arbeiten zu sagen, dass wir keine Angst haben müssen. Nicht vor den dunklen Seiten und nicht vor dem Unvorsehbaren. Mit ihrem Tränentgebuch, in dem sie sich 365 Tage lang, ziemlich oft und ziemlich dekorativ in Hotelzimmern überall auf dieser Erde fotografiert hat, setzt sie ein Statement gegen die Facebook-Generation, die mindestens 78 Selbstportraits mit immergleichem, gutaussehendem Ich online stellt. Trauer als gezeigten Tabubruch gegen die nach außen gestellte Fröhlichkeit und dem Streben nach einem perfekten, glücklichen Leben. (…) Nakadate aber ist keineswegs die unschuldige Lolita, die sich zum bloßen Objekt stilisiert oder stilisieren ließe. Bei der Suche nach Protagonisten spricht sie zwar die Männer niemals an. Sie möchte zunächst die Gejagte sein, den Männern das subtile Gefühl geben, sie könnten Beute erlegen. Nur, um dann die Situation umzudrehen, diejenigen zum Objekt zu machen, die Jäger sein wollten. Überhaupt fühle sie sich nicht zu Gleichgesinnten hingezogen, sondern suche immer nach dem Fremden, um etwas über die Welt in Erfahrung zu bringen. „Ich liebe es, wenn dann diese unerwarteten Dinge passieren.“<

Stark gekürzte Version von Nella Beljan: Dunkle Begierde. Die Arbeiten der Foto-und Videokünstlerin Laurel Nakadate. In: Fräulein Magazin Nr. 5 (2010), S. 122-125.

(Pic via FYVM)

Der Stille Sonntag *51

Sufjan Stevens: In the Devil’s Territory

Das Lied gestern wiedergefunden. Bei einem Besuch in einer Bar mit Freunden beschallte es den fast schon übervollen Laden. Voll aufgedreht wurd’ man ganz berauscht davon, von dem wunderschönen, ‘alten’ Sufjan Stevens Album Seven Swans und konnte irgendwie behütet weiterziehen. Guter Abend, das.

One Night

Set it right

Yeasayer: Tightrope

“If you wanna have a big time, go ahead and get, get big time!”

Laut hören!

(Music via Filter, Pic via Venus in Furs)

Standing there


Nicolas Jaar feat. Scout Laroe & Will Epstein 1: With just one glance

(Music via Meggi, Pic via Uncomfortable Days)

Bravourös

Mein lieber Freund Henning Marmulla hat sein Buch über Hans Magnus Enzensbergers Zeitschrift “Kursbuch” und die Position des Intellektuellen veröffentlicht. Und jetzt wurde dieses Buch in der FAZ-Samstagsbeilage besprochen. Nicht in einem kleinen Text-Kästchen, sondern, meine Damen und Herren, auf einer ganzen Seite gleich, vom großen Alt-Meister der Literaturwissenschaft, Karl Heinz Bohrer persönlich, besprochen. Und sehr gelobt. Potzblitz! Ich hatte nie einen Zweifel an der Qualität des Texts. Bin aber stolz wie Bolle, dass es nun auch diese öffentliche Würdigung mit dem wohlverdienten Prädikat “Sehr wertvoll” erhielt. Henning Marmulla wird nicht nur Instinkt, sondern auch eine akribische, fundierte, kluge und überzeugende Darstellung attestiert. Glückwunsch, Henzchen, von ganzem Herzen!

“Auf breiter Quellenkenntnis beruhend, kommt diese interne Geschichte der Zeitschrift zu einem günstigen Zeitpunkt: Ist nicht die sogenannte kapitalistische Gesellschaft erneut unter einen enormen Legitimationsdruck geraten, genau wie damals, als im Juni 1965 die erste Nummer der bis heute berühmtesten deutschen Zeitschrift ebendies ankündigte? Nicht von ungefähr erschien in diesen Tagen Terry Eagletons neues Buch „Why Marx was Right“. Auch wenn diese Aktualität eine Rolle spielt – entscheidend dafür, dass Marmuallas von Pierre Bourdieus Kultursoziologie angeleitete, im Bielefelder politikgeschichtlichen Seminar von Ingrid Gilcher-Holtey entstandene Studie auf einiges Interesse stoßen wird, dürfte der Erfinder und Spiritus Rector der Zeitschrift sein. Mit dem angemessenen Instinkt für diesen Sachverhalt hat denn der Autor auch Hans Magnus Enzensbergers intellektuelle Entwicklung ins Zentrum seiner Darstellung gerückt, wobei – den Bestimmungskategorien Bourdieus folgend – sowohl die politische Geschichte der frühen Bundesrepublik im Allgemeinen als auch die des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes und der Achtundsechziger-Bewegung im Besonderen integriert sind. (…) Marmullas Fähigkeit zur hermeneutischen Entzifferung findet ihr herausforderndes Thema, wenn es zum eigentlichen Gehalt der „Kursbücher“ und Enzensbergers spezifischem Beitrag kommt.”

Henning Marmulla: Enzensbergers Kursbuch. Eine Zeitschrift um 68. Berlin 2011 (29,90).

(via Meggi)


Rapper haben auch Gefühle

Jay-Z feat. Blue Ivy Carter: Glory

… und schreiben Songs zur Geburt ihrer Kinder. Schnüff!

Anflug von Albernheit

The Rumour said Fire: Balcony

“Völlige Fehleinschätzung der Lage von Seiten eines unheilbaren Optimisten.”

(Pic via Gaby & Tumblr, Music via Chris)

Neuer Job gefällig?

Darius Voltra: True Skin of Light

Ich hätt’ da ‘n Vorschlag…

Der Stille Sonntag *50

Apparat: Song of Los

Ein Sonntagskonzert, heute in Clärchens Ballhaus: Mozart, Poulenc und Grieg mit Violine und Klavier. Die Sonntagskonzerte gibt es als auch fantastische Sommervariante auf den Treppen vorm Bode-Museum (dann gratis). Zur kälteren Jahreszeit (oder bei Regen) findet das Ganze im Spiegelsaal vom Ballhaus statt. Karten für 10,- bzw. erm. 8,- Euro, wunderschönstes Ambiente mit inbegriffen. Mehr Infos hier.

Sonntagskonzert heute Abend um 19h in *Clärchens Ballhaus, Auguststr. 24, 10117 Berlin. Kartenreservierungen für die Sonntagskonzerte unter 030-52680256. Abendkasse ab 18h.

Ich bin kein Exhibitionist

Ratatat: Loud Pipes

Völlig untergegangen vor lauter in den Himmel gucken, dabei ist sie so schön geworden: die neue Ausgabe vom Fräulein Magazin. Jawohl, es war schon wieder soweit, und zwar bereits am 28. Dezember 2011! Mit Charlotte Gainsbourg auf dem Cover, fotografiert von Nan Goldin (!). Zwei Texte von mir sind dabei, einer über die mittlerweile in New York City lebende Foto- und Video-Künstlerin Laurel Nakadate, die dafür ihr erstes Deutschland-Interview gegeben hatte. Einen Auzug davon gibt es in den nächsten Tagen.

Über die Reise nach London, bei der ich mit Dita von Teese gesprochen habe, kann man ein wenig hier im Blog lesen, und zwar im Eintrag vom 4. Dezember 2011. Ich sollte die New Burlesque Tänzerin und Ex-Frau vom Marilyn Manson Frontmann für die Fräulein-Rubrik Der Körper befragen. Das erklärte ich Dita von Teese ebenfalls vorweg, damit sie nicht den Eindruck bekäme, sie habe eine Besessene vor sich sitzen, die die ganze Zeit über ihren Hintern oder ihre Silikonbrüste sprechen möchte… Die habe ich dann doch nicht angesprochen, die Silikonbrüste. Nur so hintenrum (“Gibt es etwas, dass Sie erst lernen mussten, an ihrem Körper zu akzeptieren?” Dazu gedacht: Oder eben nicht? Hihi!). So hat sie auch geantwortet, ein bisschen ausweichend. Profi ist Profi. Oder eben eine Lady from tip to toe. Dabei war sie sehr pc (wie political correct). Und ziemlich hübsch obendrein. Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Gespräch. Voilà.

Nella Beljan: Worauf schauen Sie zuerst bei Männern und Frauen? Irgendwelche körperlichen Attribute, die Sie besonders interessieren?

Dita von Teese: Ach, da gibt es keine speziellen Merkmale, auf die ich achte. Ich versuche mich auf jeden Menschen neu einzulassen und zu entdecken, was ihn besonders macht. Mir fällt nie zuerst dasselbe auf, ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass man sich auf eine Person einlässt. Ich war mit großen Männern zusammen, ich war mir kleinen Männern zusammen. Ich hatte was mit Männern, die einen umwerfenden Humor hatten, ich war mit anderen zusammen, die hatten andere herausragende Eigenschaften. Jeder so auf seine Weise, und mir gefällt, herauszufinden, welche das ist. Bei jedem Menschen neu, ob Mann oder Frau.
Nella: Und was mögen Sie an sich selbst besonders gern?
Dita: Ich finde, dass ich einen sehr guten Geschmack habe. Das mag ich ziemlich gern an mir. An körperlichen Attributen bin ich ganz froh über die guten Gene meiner Mutter. Sie hat mir ihre schöne Haut vererbt, da habe ich wirklich Glück gehabt. Ich bin auch froh, ihre Figur geerbt zu haben. Meine Mutter ist sehr zierlich, das habe ich von ihr.
Nella: Apropos Figur. Gehen Sie eigentlich auch an den FKK-Strand?
Dita (lacht): Oh, das ist eine wirklich gute Frage. Da habe ich noch nie drüber’ nachgedacht… Ich war tatsächlich noch nie an einem FKK-Strand. Ich bin kein Exhibitionist. Aber ich sollte das unbedingt mal machen. Allein, um zu sehen, wie die Leute sich am FKK-Strand bewegen. Wenn man nackt durch die Gegend rennt, verändert sich der Gang ja automatisch, als würde man performen (macht eine Drehbewegung mit dem Oberkörper). Ja, ich sollte mir das wirklich anschauen. Für mich persönlich aber ist das Nacktsein etwas, das ich auf der Bühne mache. Sonst bin ich nur im Schlafzimmer nackt! Da fühle ich mich damit ebenfalls sehr wohl.
Nella: Sie sind sicher, dass sie keine exhibitionistischen Neigungen haben? Schließlich lassen Sie ja auf der Bühne die Hüllen fallen. Bei der Cointreau-Show gestern, in der ich Sie gesehen habe, verteidigten die Männer zwar gewissenhaft ihren Platz mit Blick auf die Bühne. Es waren aber die Damen, die johlten.
Dita: Ja, ich weiß, die meisten Zuschauer auf Burlesque-Shows sind Frauen! Es geht da auch nicht so sehr ums Nacktsein. Das ist ein großer Teil davon, klar, aber es geht mehr noch darum, möglichst kunstvoll und anmutig den Stoff loszuwerden. Das wissen dann insbesondere Frauen zu schätzen.
Nella: Gibt es etwas, dass Sie erst lernen mussten, an ihrem Körper zu akzeptieren?
Dita: Ja, das gibt es. Aber das sind die Dinge, über die man besser schweigen sollte. Eine Dame redet nicht über ihre vermeintlichen Makel. Das macht das Leben sehr viel leichter.
Nella: Eine andere Frage. Alle schönen Menschen verlautbaren in der Öffentlichkeit, dass sie drei Liter Wasser am Tag trinken, Yoga machen und gaaaanz viel schlafen, um weiter gut auszusehen….
Dita: Hm-mmm, klar…
Nella: Welche Ihrer Angewohnheiten könnte beweisen, dass man nicht wie eine Nonne leben muss, um schön zu bleiben? Irgendwelche Empfehlungen?
Dita: Ich liebe Cocktails!!! Die trinke ich unheimlich gern. Aber ich achte darauf, dass ich einen Cocktail trinke und dann ein Glas Wasser, dann wieder einen Cocktail und wieder ein Glas Wasser. Das funktioniert ganz gut so!
Nella: Leonardo di Caprio hat vor kurzem gesagt, dass er für einen Film zu einem alten Mann geschminkt wurde. Als der Make-Up-Artist fertig war, schaute di Caprio in den Spiegel und erbleichte. Denn er sah nicht etwa aus wie sein Vater oder Großvater – sondern wie seine Großmutter! Wovor fürchten Sie sich, wenn sie alt werden?
Dita: Hm. Das kann ich nicht sagen. (Überlegt. Stille.)
Nella: Okay, drehen Wir die Frage um. Worauf freuen Sie sich im Alter?
Dita: Oh, das ist einfach. Ich freue mich darauf, (…).

Mehr wird nicht verraten. Zum Weiterlesen: das Magazin kaufen.

Auszug aus Nella Beljan: Der Körper, Dita von Teese. Ich bin kein Exhibitionist. In: Fräulein Magazin Nr. 5 (2010), S. 46f.

(Pic via Ahnini)

The Same

Little Dragon: After The Rain

Und weil die ersten beiden Sätze  so schön sind, möche ich sie niemandem vorenthalten: die der Einladung zur Pierreversion, heute Abend, im What?! “Zum siebten Mal würdigt der schöne Pierre sich selbst an seinem Geburtstag mit einem ganzheitliches Disko-Workout auf allerhöchstem Niveau. Trainiert bitte Tanz-Kraft, Trink-Stringenz und Knutsch-Ausdauer! Mit dabei sind u.a. die Gebrüder Teichmann, die Berliner Urgesteine Clé & Mike Vamp (Martini Brös), das Multitalent Thomalla, audioliths Rampue mit einem live-set, wie jedes Jahr Krsn von den Pfadfindern, Carlos de Brito, die 80er-Fabrik Fleshdance und viele weitere Gäste. Das wird laut, das wird voll, das wird exzessiv und garantiert pierrevers gut.” Alle kommen!

Pierreversion im *What?!, Karl Liebknechtstrasse 11, 10178 Berlin. Beginn: 23.00 Uhr (Eintritt: 8,00 Euro)

Hm

Islands: Switched on

Calvin Coolidge, in den 1920er Jahren Präsident der USA, besuchte mit seiner Frau Grace eine Farm. Sie beobachtete, wie ein frei herumlaufender Hahn sich mit einer frei herumlaufenden Henne vergnügte. “Wie oft macht er das?” fragte die First Lady interessiert. – “Zwölf Mal am Tag”, lautete die prompte Antwort – Die Dame schluckte und bat gefasst: “Sagen Sie das meinem Mann.” Als dem Präsidenten die Botschaft übermittelt wurde, fragte dieser wiederum: “Und ist es immer dieselbe Henne?” – “Nein”, lautete die Antwort. “Sagen Sie das meiner Frau”,  konterte Coolidge. 1:1, wa?!

Der Text ist eine kleine Zusammenfassung aus Rafaela von Bredow: Liebe lieber unvollkommen. In: DER SPIEGEL vom 23.12.2012, S. 126-135.

(Music via Meggi, Pic via Honeybunnywalk)

True that

Bon Iver: Wash

Just do it

Wild Beasts: End come to soon

Johnny Cashs To Do Liste!

(via Kotzendes Einhorn)

Genau hinsehen

WU LYF: Concrete Gold

Falls es in dem Harvey-Post untergegangen sein sollte, sach’ ich’s hier nochmal. Im dazugehörigen Youtube-Clip fängt ein Junge erst ziemlich schüchtern an, seinen Gospel zu singen. Whoopi Goldberg spielt einen als Nonne verkleideten Showstar, der sich vor der Mafia verstecken muss und lässt das Kind gegen das Lampenfieber ein paar Tonleitern trällern.  Der Trick funzt. Der Junge singt wieder wie ein Großer! Dazu jublieren Lauryn Hill, die im Chor mitschnippst, sowie: Thomas Gottschalk! Jawohl, der Thommy hat ebenfalls bei Sister Act 2 mitgespielt. Als Koch. Klar zu identifizieren an der typischen Mütze – und dem Riesenzinken. Man muss nur wissen, wonach man schaut. So wie auf dem Bild oben. Eigentlich nur Stoffe, die für ein Shoot eingefärbt werden. Wenn man’s weiß, sieht man’s sofort, oder?!

(Pic by Kamilla Richter, Music via Meggi)

Eins pro Tag

…aber heute zwei!

“Man muss sich schon viel anhören, bis einem die Ohren abfallen.” Hat die Großmutter einer Freundin immer gesagt. Schlaue Frau, das! Von ebenjener Freundin habe ich auch einen Kalender geschenkt bekommen. Einen kleinen für den Tisch, und zwar das sogenannte Poladarium, man siehe und staune oben wie unten. Jeden Tag ein Polaroid von einem anderen Künstler und auf der Rückseite ein Zitat, das etwas über das Bild, seine Entstehungsgeschichte oder denjenigen, der es geschossen hat, sagt. Kommt mit einem kleinen Pappaufsteller. Superschöne Idee, superschön umgesetzt. So gut sogar, dass das Poladarium bereits vergriffen ist. Aber vielleicht, hoffentlich!, gibt’s bald ‘ne Neuauflage… Poladarium 2012, Seltmann & Söhne (Berlin).

(Quotation & Poladarium via Mimy)

Frohes neues Jahr!

Rufus Wainwright: Tiergarten (Supermayer Remix)

(Music via Carlos)

Three Stories

“Sometimes life hits you in the head with a brick. Don’t lose faith. I’m convinced that the only thing that kept me going was that I loved what I did. You’ve got to find what you love. And that is as true for your work as it is for your lovers. Your work is going to fill a large part of your life, and the only way to be truly satisfied is to do what you believe is great work. And the only way to do great work is to love what you do. If you haven’t found it yet, keep looking. Don’t settle. As with all matters of the heart, you’ll know when you find it. And, like any great relationship, it just gets better and better as the years roll on. So keep looking until you find it. Don’t settle. (…)

No one wants to die. (…) No one has ever escaped it. And that is as it should be, because Death is very likely the single best invention of Life. It is Life’s change agent. It clears out the old to make way for the new. (…) Your time is limited, so don’t waste it living someone else’s life. Don’t be trapped by dogma — which is living with the results of other people’s thinking. Don’t let the noise of others’ opinions drown out your own inner voice. And most important, have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary. (…) Stay Hungry. Stay Foolish.”

Die ganze Rede von Steve Jobbs vor den Stanford Absolventen im Youtube Link oben.

Harvey’s here!

Sister Act 2: Oh, happy day

Willkommen, Du kleines liebes Kerlchen, auf dieser Erde!

I’ll be dreaming

Timber Timbre: We’ll find out

Das großartige, vorletzte Album von Timber Timbre (mit gleichnamigem Titel) habe ich vorgestern zum ersten Mal gehört. In der Celo Privat Bar. Hagen, der Chef von dem Laden, war vorher in Bellmans Bar beschäftigt. In seiner eigenen, feinen Lokalität erwarten einen: supergute Drinks und ebenso supergute Musik. Das Personal ist zugegebenerweise manchmal etwas pampig. Als ich das erste Mal da war und vorher eine Gruppe von Geburtstagsgästen begrüßte, die ich zufällig dort antraf, und einen Riesling bestellen wollte, wurde ich angeraunzt mit den Worten: “Und woher soll ich den herbekommen? Von der Tanke nebenan, oder was?!” Ähm. Also gab’s keinen Riesling. Aber nur für den einen Abend nicht, der wegen der Privatfeier getränkemäßig reglementiert war. Ansonsten ist dort alles zu haben, was das wählerische Trinker-oder Ausgeh-Herz begehrt. Kredenzt mit ordenslichm’ Hemd und einer Spur humorvoller Überheblichkeit. Dazu ein großer, eckiger Thresen, der die letzten Male stets bis zum letzten Platz besetzt war und ein zweiter Raum mit Tischen für all’ jene, die ein bisschen privater sein wollen in der Celo Privat Bar. What a good, good place!

Celo Privat Bar, Glogauer Str. 19 a, 10999 Berlin.

Plötzlich war Stille

Cat Power: Hate

“Ich habe gelernt, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Ich musste akzeptieren, dass es Dinge gibt, die nicht zu reparieren sind.” Deshalb herrscht sie, Joan Didion, ein zankendes Paar am Nebentisch an: “Lasst das! … Das Leben ist viel zu wertvoll und zu kurz, um zu streiten.” Die bewunderswerte Joan Didion im Stern-Artikel anlässlich ihres Buches: Joan Didion. Das Jahr des magischen Denkens. Übers. von Antje Ruvic Strubel. Berlin 2008.

(Joan Didion via Meggi)

Frohe Weihnachten

Weihnachtskinderchor mit Ausnahmesängerin

Bei Weihnachtsaufführungen muss ich immer an Hilfe, die Herdmanns kommen denken. Bei der ziemlich artigen Kinderschar in dem Youtube Video oben – lauter kleine Engelein mit Flügelchen und Lametta im Haar und sogar ein echtes Neugeborenes als Jesuskind, das in der Krippe liegt, ist dabei – hat sich ebenfalls ein kleiner Rabauke versteckt. Bis Minute 0:46 ahnt man davon nichts. Eines der Kinder beendet gerade seinen Text, das Klavier setzt eine Melodie an und der Chor beginnt zu singen. Nach wenigen Sekunden stimmt auch ein etwa fünfjähriges Mädchen mit ein. Und legt sich dabei besonders ins Zeug. Inbrünstig gröhlt sie den Weihnachtssong mit. Da traut selbst einer der Heiligen Drei Könige seinen Ohren kaum! Das ist mal Hingabe! Oder Fußballstadienerprobt, man weiß es nicht. “From the gloooory!” So it looks! Und: Frohe Weihnachten!

(Video via Steffi Th.)

Hey!

Max Richter: Luminous

Man muss sich schon ein bisschen anstrengen, um bei Karstadt Hausverbot zu bekommen. Dieser Kunde jedoch hat alle Register gezogen: Verteilte Kondome in die Einkaufswägen anderer Kunden, stellte die Wecker in der Uhrenabteilung so ein, dass sie im Fünf-Minuten-Takt bimmelten, legte eine Tomatensaftspur bis zur Damentoilette, hängte ein Schild mit der Aufschrift: Vorsicht! Frisch gewischt in der Teppichabteilung auf, versteckte sich hinter einem Kleiderständer und rief den Vorbeilaufenden zu: “Nimm mich! Nimm mich!”. Oder eigentlich mein Favorit: Der Mann verschwand in der Umkleide und schrie nach fünf Minuten heraus: “Das Klopapier ist alle!” Entweder hat er einen richtigen Dachschaden. Oder eine politische Mission. Aber auf jeden Fall einen eins A Humor!

(Karstadt-Geschichte via Blogbuzzer & Tom, Music via Cornelius)

It’s only part time

Drive: Trailer

Motorenölverschmierte T-Shirts, dazu natürlich schnelle Karren, eine Liebesgeschichte und vor allem ein Mann, der gut von böse zu unterscheiden weiß. Popcorn-Kino für den Januar! Ladies, diesen Film wollen wir sehen. Da spielt nämlich hmmmmnjam-Ryan Gosling mit. Den ganz großen Hype hat er in den USA schon ausgelöst und den Preis für den hottesten Filmkuss absolut gentlemanlike zu würdigen gewusst (beeindruckend!). Nur noch eine Frage der Zeit, bis auch hier alle ausflippen, was den Kanadier betrifft. Sagte ich’s schon: die Baumfäller…?! Der Movie wurde übrigens beim Filmfestival in Cannes für die Beste Regie ausgezeichnet. Ist also auch Kultur im Spiel, ne…

Beseelt

Other Lives: Tamer Animals

“Mia (4 Jahre), was wünscht du dir zu Weihnachten?” “Kaugummis.” “Hm. Noch etwas?” Mia denkt nach. Dann: “Zwei Pixibücher mit Mond und Sterne!” Bescheidener wie goldiger Drops, das, oder?!

Wer noch ein wenig mehr auf den Gabentisch oder unter den Tannenbaum legen möchte, für den stelle ich eine kleine Last Minute Geschenkeliste zusammen. Kann man ja auch zum für sich selbst Beschenken nutzen.

I. Als erstes: Schmuck! Da gibt es ganz feinen von Dieterle. Ich liebe alle Ringe, Ketten und Armreife. Unaufdringliches, zeitloses Design! Als Ambra Medda (das ist die Dame, die die Design Miami ins Leben gerufen hat) bei Set und Sekt in Basel war, hat sie das gesamte Sortiment von Dieterle Schmuck aufgekauft. Und das nicht nur aus bloßer Gier, möchte ich meinen, sondern weil die zierlichen Ringe aus der Spiral Linie fast am schönsten aussehen, wenn man mehrere zusammen trägt. Geschmackvoll as geschmackvoll can. Die Sachen kauft man direkt im Ladenatelier bei Felicious in der Schröderstr. 14 in Berlin-Mitte oder bei Andreas Murkudis im neuen Store an der Potsdamer Str. Ebenfalls wie gesagt bei Set und Sekt in Basel zu haben.

2. Bücher. Ich bin großer Fan von dem neuen Murakami Buch 1Q84, nein, Epos, muss man ja schon sagen. Dieses unterscheidet sich sehr von den bisherigen Murakami Büchern. Gerade im dritten Band der Trilogie wimmelt es nur so von witzigen und klugen Beschreibungen, ein kleiner Ausschnitt aus dem Text folgt bald mal. Die Charaktere bekommen viel mehr Raum und der Leser ein besseres Gefühl dafür, wie sie ticken und warum sie welche erstaunlichen Dinge machen. Aomame zum Beispiel ist nicht nur Personal Trainerin, sondern auch Auftragskillerin. Mit der Mission, brutale Ehemänner zu beseitigen. Ihre erotische Vorliebe sind zwar ältere Herren, in Wahrheit liebt sie jedoch Tengo, ihren Kinderfreund. Den sie allerdings auch als Kind das letzte Mal gesehen hat. Tengo ahnt nichts von seinem Glück, von Aomame geliebt zu werden und lebt einsam und zurückgezogen. Aber auch er kann Aomame nicht vergessen. Ihre Wege sind auf wundersame Weise miteinander verschlungen, doch vorerst ahnen die beiden nichts davon. Erst, als sich Tengo von einem Manuskript über die ‘Little People’ und die ‘Puppe aus Luft’ magisch angezogen fühlt und es als Ghost Writer schriftstellerisch in Form bringt, sieht er plötzlich, was bereits Aomame und neben ihr nur wenige andere, mysteriöse Gestalten entdeckt haben: dass zwei Monde am Himmel stehen… Irgendwann wissen Aomame und Tengo, dass sie sich finden müssen. Doch das wollen ‘die Bösen’ unbedingt verhindern…

3. Konzerte: Noch gibt es Nicolas Jaar Tickets. Der kommt im Januar nach Berlin. Ansonsten singt Jan Plewka (der von Selig) Rio Reiser Songs – und das kann der ma’! Darüber treibt es WU LYF wieder nach Berlin, und zwar im März. Tindersticks spielen ebenfalls im März. Und auch im schönen Monat März treten Other Lifes im Festsaal auf.

4. Apropos. Schöne Dinge für ein luxuriöseres Wohnambiente gibt es bei Süper, einem neuen, kleinen Minilädchen direkt am Planufer, zwischen Fuchsbau und Il Casolare gelegen. Dort findet man etwa so kleine, metallene Zitronenpressen in Form von Fischen oder Vögeln. Zu schade, um sie in der Schublade zu verstecken. Heartallerloved! Für 8,- Euro zu haben. Darüber hinaus schöne Kissen im Mexiko-Folklore-Look und rot-blau bezogen (mein Favorit). Kosten allerdings auch ein paar Steine (je 70,-)… Wolldecken, süperschöne Gläser, Karaffen, auch Leinen/Lederrucksäcke und ein paar erlesene Dinge aus dem Areaware Store in New York sind ebenfalls Teil des Sortiments. In dieses kleine Holzlama habe ich mich verliebt. Das sieht in natura ganz, ganz freundlich aus. Und in seinem Bauch kann man kleine Kostbarkeiten verstecken. Nebenan vom Süper Store hat übrigens ein neuer Vintage-Brillenladen aufgemacht (mit Namen Brillenschau) und es ist der erste, der es wirklich schafft, Lunette Konkurrenz zu machen… Und wenn man schon in der Ecke ist, kann man ebenfalls in den kleinen Geschenkeladen “Wohnzimmer” spazieren, ganz am Anfang des Paul-Lincke-Ufers gelegen. Und sich inspirieren lassen.

4. Cos: Riesenschals, kuschelig warm. In weinrot gegen das Einheitsgrau, ein Traum. Dort ebenfalls nicht zu unterschätzen: die Unterwäsche. Und jetzt nicht gähnen, die meisten meiner Freundinnen finden es fabelhaft, Unterwäsche geschenkt zu bekommen. Vorher aber heimlich aufs Größenschild gucken, sonst wird’s schnell unangenehm… Bei Cos kann man mittlerweile auch online bestellen.

5. Noch ein Buch: Die Liebeshandlung von Jeffrey Eugenides. Ich war vor ein paar Wochen auf der Lesung und habe erste Kostproben bekommen vom Autor selbst, der übrigens ein toller Vorleser und ein sehr unterhaltsamer Mensch ist. Bei seinem neuesten Buch geht um eine Liebesgeschichte, die in einem Semiotik Seminar in den 1980er Jahren ihren Lauf nimmt. Madeleine liebt Leonard, der sie jedoch scheinbar irgendwann nicht mehr. Stattdessen wird er verrückt. Dann gibt es noch Mitchell, der mit Leonards äußerlichen Reizen nicht mithalten kann, aber unsterblich in Madeleine verliebt ist… Ob es die Liebe überhaupt noch gäbe in Zeiten der sexuellen Freiheit, Eheverträgen, Scheidungen (— und der Dekonstruktion! —), sei eines der zentralen Themen des Buchs. Da ich es erst gestern angefangen habe zu lesen, kann ich nicht sagen, ob diese Einschätzung stimmt. Aber ich kann sagen, ich würde es bis Weihnachten am liebsten nicht mehr weglegen, um dem Ganzen auf den Grund zu gehen…

6. Unterschriften verschenken! Mit Amnesty International kann man damit Leben retten.

7. Filmklassiker sind immer ‘ne sichere Sache. Aber nicht die ernsten, lieber die lustigen, die man als Kind oder Jugendlicher geschaut hat. So wie Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe. Oder Life of Brian. Oder Bud Spencer und Terence Hill.

8. Bei Muji die Origami Vögel kaufen. Entweder selber als (Geschenke- oder sonstwie-) Deko benutzen oder jemandem, dem ein bisschen Stille & Konzentration gut täte, in Form der noch ungefalteten Papierbögen schenken…

So. Jetzt brummt mir der Kopf vor lauter Konsum-Tipps. Vielleicht sollten alle, die gerade gestresst sind, sich einfach zurücklehnen und nur eine Kleinigkeit erstehen. Denn was die Lieben um einen herum am allerwenigsten wollen, ist schlechte Laune wegen irgendwelcher Geschenke, oder? Das alles soll ja immerhin Freude bereiten und keinen Nervenzusammenbruch!

(Music via Filter)

Der Stille Sonntag *48

Youth Lagoon: Goodbye again

Youth Lagoon war meine Entdeckung des Sommers. Dahinter steckt Trevor Powers, ein 22-jähriger Musiker aus Idaho. Dessen Debut Year of Hibernation, ist erst Ende September 2011 erschienen und enthält so tolle Songs wie Montana und July, bei denen man die Texte akkustisch kaum versteht. Trotzdem kein Manko, alles wird über die Art, wie er sie vorträgt, dann doch transportiert. Schmeißt man dann doch einen Blick auf die Lyrics,entdeckt man: Sie sind von ausgesuchter, fast lyrischer Schönheit. Jetzt die Auskopplung eines wunderschönen, supertollen Covers, das die Argusaugen meiner Lieblingsschwester erspähten. Danke, Püppi!

(Song via Meggi)

So ist das

Tom Jones: She’s a Lady

Wahre Schönheit kommt ja auch von innen. (True beauty comes from within.)

Wunschliste schreiben!

Jimmy Kimmel: Kids get worst Christmas Gifts ever

Jimmy Kimmel hat zu Halloween seine Zuschauer gebeten, ihren Kindern die eingesammelten Süßigkeiten wegzuessen und dann die Reaktionen des Nachwuchses zu filmen… Katastrophenszenarien spielten sich ab! Dieses Mal hat er Eltern animiert, ihren Kindern schreckliche Weihnachtsgeschenke zu machen. Und das natürlich ebenfalls videotechnisch zu dokumentieren. Dem gesunden, elterlichen Sadismus wurde freier Lauf gewährt: von einer braunen Banane über ‘ner Riesen-Wasser-Plastikflasche bis hin zu einem gammeligen Hamburger war alles dabei. Zum Lachen. Auch ein bisschen gemein. Von “I hate you all!” zu “Well, you didn’t do a good job!” einte die Reaktionen der lieben Kleinen: blanke Wut. Mit Klimax am Ende, wie sich das gehört…  “Tell him…” Halt, stopp. Das wird nicht verraten, was der Dreikäsehoch herauspolterte. Selber angucken! Hihi.

Heute

Johnny Cash: Heart of Gold (Neil Young Cover)

Das Tissue Magazine ist da! Ein neues Heft, das mit Arbeiten von fantastischen Fotografen wie Hanna Putz und Dido Fontana aufwartet. Die Macher, ihres Zeichens auch diejenigen, die früher das Nude Paper herausgegeben haben, verkleinerten ihr Team und erläutern das wie folgt: “And while it takes 2 to Tango, 4 people are definitely enough to bring you 1 se*y magazine.” Und das ist auch das Konzept des Hefts: “Everything se*y” wird gezeigt.

Ein kleiner, englischer Text von mir ist ebenfalls dabei. Dabei geht es unter anderen um Transgender. Das meint nicht Cross-Dresser oder Drag-Queens und -Kings, die Gefallen an bestimmter Kleidung oder Travestie finden, sondern ist die geschlechtliche Zuordnung für Menschen, die sich im ‘falschen’ Körper geboren fühlen. Darüber hinaus gibt es noch Interse*, also Menschen, deren Chromosomen-Kombinationen von den männlich/weiblich-Codierungen abweichen. Darüber hinaus Hermaphroditen, Zwitter, das 3. Geschlecht, Two-Spirited – man könnte noch viel mehr Begriffe ins Rennen werfen…

Da das Tissue Magazine, das heute Abend in einem 032c Workshop gelaunched wird, auch Fotos zeigt von schönen Wesen, die sich nicht in die engstirnige Geschlechter-Dichotomie packen lassen, habe ich mich daran gemacht, diese Begriffe zu erläutern. Dr. Sommer lässt grüßen! Wenn man sich aber fünfjährige Dötze anhört, die erklären, dass sie bereits bevor sie sprechen konnten, ihren Eltern signalisieren wollten, dass sie zum anderen als den ihnen von außen zugewiesenen Geschlecht gehörten – dann kann man gar nicht anders, als deren Begehr zumindest zu respektieren. Denn, und das mussten viele Eltern von Transgender Kinder einsehen, ihr Spross machte nicht ‘einfach nur so eine Phase durch’. Transgender kommt man genau so auf die Welt wie männlich, weiblich oder interse*. So! Mit kurzem O.

Und weil ich sagen kann, dass das alles eine ganz tolle Angelegenheit geworden ist: Lasset uns anstoßen! Heute Abend nämlich, beim 032c Workshop, wie immer in der Brunnenstr. 9, Berlin-Mitte, wird also das Tissue Magazine präsentiert. Applaus!

Das Heft bestellen kann man übrigens auch hier!

(Pic by Dido Fontana, and thanks to Kiki for this last drink of ours <3)

Tropische Temperaturen

Architecture in Helsinki: Need you now (Cut Copy Cover)

… kann ich nicht herbeizaubern. Aber damit man nicht friert, kann man ja ‘ne Mütze aufsetzen.  Ich hätte da auch eine: die von The Civilist in Berlin. Habe ich zuerst an einem jungen, attraktiven Mann in der U-Bahn gesehen. Find’ ich ebenfalls an mir gut, die Mütze jetzt. Gibt’ s in rot, blau, schwarz oder gestreift. Ebenfalls als Beany-Version zu haben, ist vielleicht weniger “Wie-ein-Eierkopp’-aussehen”-anfällig. Kostenpunkt: je 35,- Euro. Reine Schur- bzw. Merinowolle.  American Apparel hat ebenfalls ganz schöne Mützen im Programm (16, bis 20,- Euro), aber die bestehen aus reiner Synthetik. Die Civilist-Kopfbedeckungen sind also teurer, dafür sind dann auch keine elektrisierten Haare im Preis inbegriffen. Wahnsinn! Und was die junge Dame oben betrifft, da sollte mal jemand ein erstes Wörtchen mit ihr reden. Aber wer fragt mich schon. Jedenfalls nicht der Herr Testino, der sie für ‘n Pirelli-Kalender abgelichtet hat…

Zur Musik: Bitte unbedingt anhören. Obersensatio-nell!!!

The Civilist, Brunnenstr. 13, 10119 Berlin

(Music via Micha)

Karnevals-Inspiration!

Erst dachte ich, ich würde das Video oben nicht gut finden. Falsch gedacht, das ist so dermaßen witzig! In Windeseile macht sich der Mann darin blank und schwingt sich auf seinen Trecker. Und bekommt dabei statt des Adams-Kostüms ein tatsächlich noch viiiiel besseres…

(Video via Meggi & Tania)

Gut in Schuss

Matthew Dear: Slowdance

Und da ich wieder fit bin, mindestens wie die bunt gemischte Reihe Sportskanonen da oben, hier ein Track von jemandem, den ich söhr, söhr görn am Sonntag im Berghain gehört hätte. Sieben Jahre Berghain, die haben ordentlich auf sich anstoßen lassen…

(Music via Milli)

Der Stille Sonntag *47

Islands: This is not a Song

Heute ist der Stille Sonntag ein Dienstag. Denn: Ein fieser Migräneanfall katapultierte mich am Samstag, pünktlich nach gerade beendeter Arbeit, ins Bett. Zwei Stunden Schlaf, zwei Kapseln einer bestimmten Arznei und schwupps!, war ich wundersamerweise und zu meinem eigenen größten Erstaunen, diese Plage von Attacke wieder los.

Samstagabend erwacht, war ich demütig wie dankbar, als ich die Migräne los war, denn was für ein Juwel ist doch ein gesunder Geist und Körper, nech… Und beschloss, einen Gang herunter zu schalten. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin wieder da. Nur eben am Dienstag, statt am gewohnten Sonntag, mit dem Stillen Sonntag. Vielen lieben Dank für alle interessierten Nachfragen, warum er dieses Mal auf sich warten ließ, der Sonntag. Dafür aber jetzt ein ganz besonders tolles Stück von Islands. Bittesehr!

(Music via Filter)

Olymp(ia)

Bryan Ferry: Slave to Love

Gestern und heute. Mr. Bryan Ferry. In Berlin.

Joa

Hm.

Notice

Òlafur Arnalds: Tomorrow’s Song (Living Room Songs)

Das ist Heinrich. Ich mag ihn sehr. Der kleine Piepmatz da oben kennt schon die ganze Welt, wie die Fotografin des Bildes, Jennifer Endom, hoch und heilig versicherte. Insofern nicht weinen, dass er wohl keine realen Ausflüge mehr machen wird. Heinrich wurde übrigens auch auf TMEP (The most expensive Picture) geposted. Das ist ein neuer Blog, der abgeht wie Schmidts Katze! Am 1. Dezember um genau 10:52h online gegangen, lautet das jetzt schon erfolgreiche Konzept: Der erste Fotograf, Lukas Wassmann, kaufte sich den Webspace für einen Dollar. Und blieb online, bis der nächste User den Platz für einen weiteren Dollar Zuzahlung erwerben konnte. Für mindestens eine Stunde blieb wiederum der Platz blockiert, bis der nächste, wie gehabt für einen weiteren Dollar Aufpreis, seine Stelle einnehmen konnte. Gestern waren nach nur fünf Tagen bereits 48 Bilder druff, macht nach Adam Riese 48 Dollar. Die ersten dreihundert Bilder kommen dann in einen Katalog. Tolle Idee, wie so viele schöne Sachen in einer kleinen Runde von Freunden (hier die Schweizer Sebas­tian Stadler, Stefan Jan­dl und Carlo Jörges) entstanden, die nicht vergessen haben, was sie am Vorabend in einer Bar ausgeheckt hatten. Da sag’ ich: Prost, Jungs!

(Pic by Jennifer Endom via TMEP)

Alles Liebe

Roy Orbison: You got it

Als ich vorgestern im Zug saß, mein tonnenschweres Gepäck abstellte und mich müde in den Sitz fallen ließ, hörte ich, wie sich ein paar alte, kroatische Männer unterhielten. Einer von ihnen sagte, dass er sich glücklich schätzen könne, seine Kinder seien erwachsen und in Brot und Lohn; und er selbst sei niemandem etwas schuldig noch habe er irgendwen umgebracht. Da musste ich schmunzeln und dachte, “Der redet genau so ein Kroatisch, wie ich es kenne und sehr mag, der muss aus der Region meiner Eltern kommen, die typischen Ausdrücke und Bescheidenheitsformeln.” Seine Stimme erinnerte mich auch an einen engen Freund meiner Eltern, und weil ich mich darüber freute, wollte ich wissen, wie der Mann aussieht und schaute ihm seitlich auf den Nacken. Moooment! Das war der Freund meiner Eltern! Den habe ich als Kind schon angebetet, weil er mich immer in die Luft warf und meine Hände dabei fast die Wohnzimmerdecke berühren konnten. Ich sprang direkt auf, um ihn zu begrüßen.

Schmal war er geworden, dieser baumlange Mann. Und als ich ihm die große Hand streichelte, die, und nicht nur die, meinem ersten Freund einen Heidenrespekt eingeflößt hatte, sagte er, ganz kurz nur: “Komm ab und zu vorbei, ja?!” Für eine Millisekunde brach mir das Herz, weil ich an den Tod seiner Frau denken musste, und wie ihn diese furchtbare Überraschung verändert hatte. Sofort sagte ich, “Ja, das mache ich.” Und dachte, deshalb wird Weihnachten letzten Endes vielleicht gefeiert: dass man sich spätestens da ein Herz fasst und an all’ jene denkt und mit ihnen zusammensitzt, die man ansonsten viel zu oft verpasst. Weil man zufällig den unteren statt den oberen Zugteil benutzt hat. Oder so. Alles Liebe zum Nikolaus! Und überhaupt.

(Pic via Joy and Feathers)

Der Stille Sonntag *46

Björk: Virus

“I knock on your skin and I am in.”

Da bin ich wieder! Back in Tschörmenni. Mei, was freu ich mich! War zwar alles sehr aufregend und abwechslungsreich, aber irgendwann ruft das eigene Bett. Frau von Teese, der Anlass meines London-Ausflugs, war übrigens eine äußerst angenehme Gesprächspartnerin. Und in natura sieht sie tatsächlich 1a aus – und das nicht nur, weil sie so unglaublich freundlich wirkt. Eine Alabasterhaut, dabei ganz klein und zierlich (ich glaube, sie hätte auch in mein Handgepack gepasst). Und dass sie gelenkig ist, davon konnte ich mich am Vorabend des Gesprächs in ihrer Show überzeugen. Da plantschte sie in einem Cointreau Glas. Allein, wie die Dame grazil ihre Beine in die Luft streckte, in einer kleinen delikaten Geste den Schwamm darüber gleiten ließ und dann zum Abschluss minimal mit dem Fuß wackelte, hat mich sehr beeindruckt. Ich habe mir dann vorgenommen, das zuhause zu üben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die acht Minuten Nichtstun ebenso spannend hin bekomme. Egal.

Zur Musik: Björk hören. Das neue Album kann man als App kaufen. Superchefig! Visuelles und Akkustisches werden dort zusammen geführt, der User kann sogar mitwirken an der Gestaltung. Bei Crystalline ein Spiel spielen, in dem er durch einen Tunnel rast und Diamanten einsammelt. Oder den Mond zum Klingen bringen. Oder sich einfach zurücklehnen, und den fast sphärischen Klängen lauschen, die Björk einem beschert. Ein guter Stiller Sonntag.

Click Click Click


Oh Land: Rainbow

Nur ein kleines Lebenszeichen von mir: In London ist heute eitel Sonnenschein. Und der Computer bleibt weitestgehend aus. Nur soviel: Ich war in der Gerhard Richter Retrospektive in der Tate Modern (fantastisch und vielseitig!), habe eine Menge Shops abgeklappert, mich durch einen ziemlich charmanten Straßenmarkt gefuttert und ein paar entzückende Leute getroffen. In ein paar Tagen mehr!

(Music via Lina)

What comes next

PAPA: Collector

Sooo! Jetzt noch meinen Koffer packen und morgen geht es dann auf nach London. Eine Cointreau Party wartet und am nächsten Tag ein Interviewtermin. Mit: Tamtaratam, Dita von Teese. Freu mich wie Bolle. Und bin schon total neugierig. Und weil ich dann schon vor Ort bin, werden noch ein paar Tage in meiner alten Heimatstadt an der Themse drangehängt. Ich habe auch schon eine kleine Liste angefertigt, mit Sehenswürdigkeiten, Bars und Shops, die ich gerne aufsuchen würde. Listen sind was Feines! Aber Listen sind eben auch nur Listen und keine Zwangsarbeit. Insofern wird nur gaaaanz vielleicht alles abgeklappert und davon berichtet. Wer ebenfalls einen heißen London-Tipp hat, schreibt mir doch einfach ‘ne Mail. Tah!

(Pic via Old Chum)

Der Stille Sonntag *45

Midlake: Roscoe

Samstagabend war ich mit einem guten Freund in einer Bar, als dieses Lied lief. Als ich Shazam anschmeißen wollte, sagte er sofort: “Ich kenn’ das Lied! Als ich in Göteborg gewohnt habe, hat das mein damaliger Mitbewohner immer gespielt, wenn er Damenbesuch hatte. Und er hatte oft Damenbesuch, wechselnden, versteht sich, so ein Schlawiner war der. Jedenfalls wusste ich immer direkt, was den Mädels blühte, sobald der Song lief!” Hmmmm. Ich glaub’, ich weiß es auch! Jedem Tierchen sein Pläsierchen, nech… und allen einen schönen ersten Advent!

Reaktist sein!

Minor Majority: I wish you’d hold that smile

“Leute, die eine Meinung mit großer Selbstgewissheit vertreten, ohne die Spur eines Zweifels, so, als ob es kein Morgen gäbe, kommen mir dumm vor. Die einzige Haltung, die garantiert jeder Revision standhält, ist vermutlich der Zweifel. (…) Reaktanz ist eine gute Sache. (…) Reaktanz bedeutet: (…) Wir tun genau das Gegenteil von dem, was von uns erwartet wird. Reaktanz ist ein typisches Abwehrverhalten gegen jede Art von Einschränkung, Druck und Verboten. (…) Als Reaktist erfüllt man eine sozialhygienische Funktion und leistet einen Dienst an der Menschlichkeit. Es ist unappetitlich, wenn einzelne Personen zum public enemy erklärt werden, überall, von jedem. Guttenberg? Eva Herman? Jan Ullrich? Das sind Verfehlungen gewesen, kritikwürdig, gegebenenfalls strafbar, aber doch keine Kapitalverbrechen. Bei jedem Gangster finden Gerichte mildernde Umstände, nur das große Volkstribunal der öffentlichen Meinung kennt keine Bewährungsstrafen, so lange, bis das große Vergessen einsetzt. Man vergibt nichts, aber man vergisst. Wenn erst mal der nächste Skandal da ist, absorbiert er sowieso die gesamte Erregungsenergie, über die man verfügt. Sich selber vergibt man alles.” Harald Martenstein: Mainstream. Der Sog der Masse. In: ZEIT (46) vom 10.11.2011.

(Pic by Alex Semtner via Zero, Music via Eike P.)

Yo!

Josh Hodges/Sexton Blake: Jake, keep it together

Als ich vor zwei Jahren in New York war, habe ich neben den Hell’s Angels gewohnt. Vor deren Zentrale stand auch immer ein Nachwuchs-Scherge, der den Eingang bewachte. Vielleicht vergaß ich ihn deshalb so schnell (obwohl er tageinein, tagaus dort stand), weil er nur finster drein schaute und nie einen Pieps von sich gab. So kam es, dass ich, mittlerweile schon an die amerikanische Freundlichkeit gewöhnt und zwar mit hervorragend guter Laune ausgestattet, jedoch ohne die dringend notwendige Brille auf der Nase, den Mann in der Dämmerung  mit einem glockenhellen “Hi–iii, how are you?!” begrüßte. Genau in dem Moment fiel’s mir wieder ein, heidewitzka, da hatt’ ich doch den Hell’s Angels Aspiranten vor mir und je näher ich kam, desto deutlicher sah ich auch die obligatorischen Abnäher auf seiner Jacke. Der Mann nickte jedoch nach ein paar Schrecksekunden meinerseits gutmütig mit dem Kopf. Fortan grüßten wir uns jeden Tag. Und als ich einmal vergaß, ihm Hallo zu sagen, brummelte mir dieser bärtige Hühne sogar seinen Gruß hinterher. Da fiel fast mir die Kinnlade herunter. Und mir wurde augenblicklich klar: Etikette ist eine feine Sache. Sie bringt auch die unterschiedlichsten Leute auf ganz unkomplizierte Art zusammen. Ein Toast auf den Knigge!

(Pic via Facial Awareness, Music via Mimy)

Oder so ähnlich

Bodi Bill: What

Schönes Lied, schönes Video.

(Pic via Designcube)

Beschenken

Balmorhea: Truth

Das kleine Tischchen, ein Traum! Simpel und raffiniert zugleich, fantastemong! Gibt es in drei unterschiedlichen Größen mit verschieden farbigen Tabletts obendruff. Haben wollen! Von der wunderbaren serbischen Künstlerin Ana Kraš. Die hat auch einen ziemlich schönen Blog mit eigenen Fotoarbeiten: Ikebana-Albums. Auch toll!

Tisch Noodles 2 by Ana Kraš, Preis auf Anfrage. Music via Filter.

Die Zärtlichkeit der Mathematik

Camera Obscura: Super Trouper

Das Gedicht wächst, zärtlichst, nach der Fibonacci-Folge.

alphabet

(…) somewhere a wild
apricot tree stands still for a moment

and blooms, but just with a very
thin veil on the outspread branches
before going on regardless (…)

(Poem by Inger Christensen, transl. by Susanna Nied, Music via Dennis)

Der Stille Sonntag *44

Darkside: A1

“Das Flüstern einer schönen Frau hört man weiter als den lautesten Ruf der Pflicht.” (Pablo Picasso) Der Pablo ist ein schlauer Mann. Einen schönen Sonntag noch!

(Music via Jonas)

Okeh

Elvis Depressedly: Mickey yr a fuck up

Muss seit Tagen über dieses Bild kichern. Aber zur Musik: Elvis Depressedley. Hübsches Wortspiel, umwerfende Musik. Ein bisschen traurig. Trotz der dusteren Texte kein Suizidermunterer, nein, eher ein Versinken in die schönste Schwere…

(Music via Filter)

Not only heaven

Azari & III: Into the night (Nicolas Jaar Remix)

Heute Abend wird im Kreuzberger Voo Store übrigens die zweite Ausgabe des OE-Magazins gefeiert. Das Heft dreht sich ‘nur’ um Mode, und zwar insbesondere die aus Berlin… weiter sind Azari & III im frisch eröffneten Kreuzberger Gretchen (da fehlt nicht der Hänsel, das ist eine Disko) zu Gast. Man lausche im Link oben. Im Loftus (Hall) am Maybachufer, der Nachfolger von der Kleinen Reise, ist ebenfalls was los. Viel Spaß, wo auch immer man sich herumtreibe… Adjö!

Natural

Mayer Hawthorne: Your easy lovin’ ain’t pleasin’ nothin’

Das stimmt, wenn es kalt ist, helfen warme Gedanken. Mindestens! Da kommt das Musikvideo oben gerade richtig. Wer hingegen seinen Gehirnschmalz aufstocken will, der schaut sich diese Seite an: You are not so smart. Ein Traum für alle Schlaubi Schlümpfe dieser Erde. Wenn man sich auf einmal in einer schlimmen Situation befindet, würde man alles Menschenmögliche tun, um da wieder heraus zu gelangen? (Faaaalsch!) Wenn einem nach Schreien, Pöbeln oder Weinen is – lass’et raus. (Auch falsch!) Du denkst, du kannst spitzenmäßig einschätzen, wie du dich fühlst und weißt auch genau, wieso? (Setzen, sechs!)

Diese und andere Annahmen hat David MacRaney auf seinem Blog widerlegt, in epischer Breite. Das Ganze ist deshalb auch als Buch erschienen. Und okay, warum man seine Gefühlswelt meist falsch einschätzt, auch wenn man denkt, man sei per du damit, möchte ich jetzt schon lüften: Menschen wollen sich ihre Reaktionen erklären und applizieren. Sie übertragen die Gefühle, die sie in einer bestimmten Situation haben, auf andere Personen und Ereignisse, die damit in Verbindung standen. Wenn man sich etwa verliebt, liegt das nicht nur an der Person. Das allerheißeste Geschoss kann einem seine Telefonnummer zustecken. Wenn das passiert, während man in einer brenzligen Situtation auf einer gefährlichen Hängebrücke steht,  ist die Wahscheinlichkeit doppelt so hoch, dass man sie tatsächlich anruft, als wenn sich die Szene auf einer harmlosen Brücke bei Weltfrieden ereignet hätte. Was sagt uns das? Ganz einfach. Herzschlag beschleunigen. Zu zweit!

David MacRaney: You are not so smart. Why you have too many friends on Facebook, why your memory is mostly fiction, and 46 other ways you’re deluding yourself. Gotham 2011 (16, 30 Euro).

(Pic via Alternativen, You are not so smart via Friedemann, Music via Sarah G.)

Alles erlaubt

My Morning Jacket: I will be there when you die

“Wenn ich wüsste, was Kunst ist, würde ich es für mich behalten.” (Pablo Picasso)

(Pic via pnguyee)

Unspeakable

Dark Dark Dark: Daydreaming

Samstags und sonntags kann man bei Amour Fou frisches Brioche kaufen. Das kleine, weiße Café mit Konditormeisterin in der Kreuzberger Grimmstr. lockt darüber hinaus auch mit Schwarzwälder Kirsch-, Wiener Sachertorte und so kleinen Zitronen- oder Maracuja-Tarteletts… um nur wenige der leckeren Schweinereien zu nennen, die man dort erstehen kann. Sehen fast zu schön aus, um sie zu essen. Aber nur fast!

Amour Fou (Desertmanufaktur), Grimmstr. 24, 10967 Berlin. Montags Ruhetag.

(Music via Filter, Pic by Alexander James via dear us)

Lesen


Ein bisschen muss man sich reinlesen, aber dann legt man’s nicht mehr weg: Murakamis 1Q84. Buch 3 (1 und 2 waren in einem Band erschienen) ist seit einigen Wochen auf dem Markt. Endlich wissen, was es mit den Little People auf sich hat. Und ob Aomame und Tengo sich wiederfinden. Hurra!

Der Stille Sonntag *43

The XX: Islands

Gedichtausschnitt von Charles Bukowski

Let us be young!

The Vaccines: Wetsuit

Bedruckte T-Shirts sind meist nix. Aber das kann was! Dazu: The Vaccines, super Träck! Vor ein paar Tagen bei Nerdcore entdeckt. Die  Jungs aus der Londoner Band spielen übrigens am 18. Dezember im Berliner Postbahnhof. Hands up.

Anniversary

Teenage Dream by Katy Perry & Woodkid

Okay, mit Katy Perry, jedenfalls mit dem Song, kann man nix reißen. Aber dafür mir dem Cover von Woodkid. Der hat es kurz vor Ende seines Berliner Konzerts gespielt. Und auch die Brüsseler durften sich darüber freuen, wie das Youtube-Video oben zeigt. Vor lauter Trubel habe ich übrigens mein einjähriges Jubiläum komplett vergessen. Dafür jetzt ein bisschen später, aber besser spät als nie: Happy Birthday, Buchstaben sind Freunde!

(Pic via flos vitae)

Right at the top

Hyperballad by Björk & Robyn

We live on a mountain
Right at the top
This beautiful view
From the top of the mountain
Every morning I walk towards the edge
And throw little things off
Like car-parts, bottles and cutlery
or whatever I find lying around
It’s become a habit
A way to start the day

I go through all this
Before you wake up
So I can feel happier
To be safe again with you

Die schönste Frau der Welt wurde beim schwedischen Polar Music Prize ausgezeichnet, das ist der inoffizielle Nobelpreis für Musik. Viele Björk-Lieder wurden zu diesem Anlass live auf der Preisverleihung gecovered, also in Anwesenheit der Geehrten. Beim Auftritt einer Künstlerin konnte Björk vor Rührung kaum die Tränen wegdrücken: als Robyn auf der Bühne steht und ihr Hyperballad singt. Ich hab’ das schonmal erzählt, vor einem Jahr.

(Pic via Alternativen)

Sense of

Where is my mind by Pixies & Maxence Cyrin

Wunderschönes Piano-Cover. Danke, Lui, für den Musik-Vorschlag.

Mumu-was?!

Murmuration!

Liberty Smith und Sophie Windsor Clive waren gerade mit einem Kajak unterwegs, als über ihnen ein Vogelschwarm auftaucht und die unglaublichsten Flugformationen hinlegt. Eine von beiden filmt das mit ganz ruhigem Händchen. Und was sie filmt, ist einfach oberfantastischschön! In dem Video auf Min. 0:24 vorklicken und los geht’s. Dermaßen nah dran hat man selten Aufnahmen einer so genannten Murmuration bekommen: Taucht ein Feind am Himmel auf, schließen sich Stare zu einem Knäuel zusammen, nur, um dann wieder in riesigen Wellenbewegungen auseinander zu driften. Selbst der allergefräßigste Bussard ist damit nicht in der Lage, sich einen der Piepmatze zu schnappen, so perfekt ist das Chaos des Schwarms synchronisiert. Ich hab’s mir jetzt schon zehnmal angeschaut. Es passieren Dinge da draußen – mannoman!

(Video via Meggi)

Nearest

Dearest by Buddy Holly & The Black Keys

Morgen in der Mittagspause schon was vor? Nein? Dann könnten wir uns treffen. Ja, genau, wir zwei Hübschen! (Jetzt geht’s mit ihr durch. Einmal ausgeschlafen… zack!) Jedenfalls könnten wir uns beim Lunchkonzert der Philharmonie über den Weg laufen. Das sind die Gratiskonzerte der Philharmoniker und der Leute, die irgendwie mit denen verbandelt sind. Und diese Lunchkonzerte finden im Foyer des von Hans Scharoun entworfenen Gebäudes statt. Ich liebe die Philharmonie. Und ich liebe die gegenüber liegende Stabi West, die ist vom selben Architekten, also auch vom Hansemann. (Der treue Blogleser weiß Bescheid.) Die Lunchkonzerte haben sich jedenfalls zur festen Institution gemausert und sind immer knallevoll.

Wer etwas von den wohlfeilen Klängen mitkriegen möchte, sollte ein bisschen früher dran sein. Denn nicht nur die Rentner kommen zeitig, ganze Massen an Menschen versammeln sich dafür im Foyer, stehen geduldig oder verteilen sich auf den Treppen. Ab mehreren hundert Leuten ist Einlass-Stopp – und das letzte Mal vor der Sommerpause konnte ich tatsächlich wegen Überfüllung nicht mehr rein. Hat sich eben herumgesprochen, was für eine feine Sache das ist, das Lunchkonzert!

Zur Musik. Ich hab’ ja noch Cover-Woche. Erst hatte ich keine Lust mehr und fand mich albern. Jetzt hat mich noch mal der Ehrgeiz gepackt und ich grab’ bzw. lasse weiter die alten Kamellen ausgraben. Aber das oben IST auch ein großartiges Cover! Die Black Keys haben’s einfach raus. Wer sich live davon überzeugen will: Am 28. Januar 2012 spielen sie in Berlin. Karten hier. You better be quick!

Philharmonie Berlin: Lunchkonzerte. Jeden Dienstag um 13 Uhr, Eintritt frei. Dauer: meist eine knappe Stunde. Und wer  möchte, für den gibt es danach – gegen einen kleinen Unkostenbeitrag – ein warmes Buffet. Adresse: Philharmonie Berlin, Herbert-von-Karajan-Str. 1, 10785 Berlin.

(Music via Filter, Pic via Fly away now)

Der Stille Sonntag *42

Twenty Miles to NH by The Philistines Jr. & The National

Was für ein schöner Herbst! Übrigens die Jahreszeit, die ich bisher sträflichst unterbewertet habe. Aber an so einem freundlichen Sonntag rauszufahren… Berliner, ab an den Schlachtensee, ein kleines Holzboot mieten und in die Sonne rudern!!! Dort, mitten auf dem See, die Paddel an die Seite legen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Herrlich! Der Bootsverleih, an der Ostseite des Schlachtensees gelegen, hat jetzt noch auf. Und wirklich wahr, wenn die Sonne scheint, ist es nicht kalt, ganz im Gegenteil, man kann ihr, der Sonne, von innen und außen gewärmt dabei zuschauen, wie sie Goldflimmer aufs Wasser wirft.  Kitsch as Kitsch can, hurra! Danach eine Runde um den See spazieren, man läuft ungefähr 1-1,5h. Zwischendurch ein Päuschen in der Alten Fischerhütte einlegen, die haben ein großes Restaurant mit riesiger Terrasse und Biergarten. Das is’ ma’ n Sonntag! Allen einen geruhsamen Abend noch und einen guten Start in die neue Woche.

(Music via Meggi, Pic via Fuks)

Man lernt nie aus

“Du bist hip, wenn man dir in einer fremden Stadt Drogen verkaufen will.” (William S. Burroughs)

(Quotation via Boris, Pic by Jody Rogac for Dana Lee via haw-lin)

How much

Sea of Love by Phil Philips & Cat Power

(Pic via Ahnini)

Bitter

Vor ein paar Jahren schaute ich eine Reportage. Es ging u.a. um einen jungen Mann aus Mali, der auf einer Kakaoplantage an der Elfenbeinküste arbeiten wollte. Dort angekommen wurde ihm jedoch nicht ‘nur’ die vereinbarte Bezahlung für die schwere körperliche Arbeit verweigert, sondern er wurde auch gezwungen zu bleiben. Als er versuchte zu fliehen, holte man ihn gewaltsam zurück, bestrafte ihn mit etlichen Peitschenhieben und zwang ihn zur Weiterarbeit. Der Mann geriet also in die Sklaverei. Wir schreiben aber nicht das 16., 17. oder 18. Jahrhundert, sondern befinden uns mitten in unserer sogenannten Zivilisation des 21. Jahrhunderts. Der junge Mann aus Mali hatte Glück. Er wurde nach einigen Jahren von einer Hilfsorganisation befreit. In seiner Heimat Mali verschwinden übrigens viele Kinder aus den Dörfern. Sie werden einfach von der Straße geraubt und als Sklaven auf die Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste verschleppt.

Der befreite Sklave aus der Reportage, die ich sah, wurde von einem Journalisten gefragt, ob er selbst jemals die Erzeugnisse dessen, weshalb er versklavt wurde (also Schokolade) probiert habe. Was er verneinte. Aber ob er denn wisse, dass die Menschen in Europa sie jeden Tag äßen? Der Mann war völlig entgeistert, mehr noch, verzweifelt, und sagte: “Tell them, when they eat chocolate, they eat my flesh.”

Diesen Satz bin ich nie wieder richtig losgeworden. Erst konnte ich gar keine Schokolade mehr essen, irgendwann kaufte ich nur noch Fair Trade. Das dämmt zumindest Kindersklaverei und Kinderarbeit ein. Aufgrund eines bequemen Verdrängungsmechanismus’ wurde ich aber auch hier laxer und griff, wenn auch mit schlechtem Gewissen, manchmal zu Produkten ohne Fair Trade Siegel. Als mir nun dieser Test in die Hände fiel, hatte ich die Stimme von dem Mann aus Mali, dem befreiten Sklaven, wieder laut tönend in meinem Kopf. Der Test berechnet nämlich anhand der eigenen Ess- und Lebensgewohnheiten, wieviele Menschen deshalb als moderne Sklaven arbeiten müssen. Ich weiß, dass ich gar nicht so fair einkaufen oder leben kann, damit kein moderner Sklavenhändler, also auch die internationalen Weltkonzerne, davon profitieren. Aber versuchen kann ich es.

Meine Sklaven zählen 21. Wenn meine persönliche Statistik auch nur um einen Menschen nach unten geht, wäre das – wenn ich in einem anderen Land geboren wäre – ich selbst, meine Schwester oder meine beste Freundin, die nicht mehr in Sklaverei leben müssten. Dafür macht’s doch eigentlich schon wieder Spaß, 1,99 statt  0,99 Euro für Schoki auszugeben! Auf dem Bild oben ist übrigens ein ehemaliger Kakaoplantagensklave zu sehen, der nach einem Fluchtversuch schwer misshandelt wurde. Mir ist der Appetit auf Kitkat & Co. wieder vergangen.

Filme zum Thema: The dark side of Chocolate & The bitter Truth of Chocolate. Zu anderen Industriezweigen, die mit Sklaven und Kindersklaven arbeiten: Anti Slavery Organisation.

Lesung Deluxe


Twist in my Sobriety (John’s slight edit)

Jeffrey Eugenides liest aus seinem neuen Buch Die Liebeshandlung. Eugenides’ Debut, Die Selbstmordschwestern, fand ich blöd. Middlesex hingegen eine Offenbarung. Und jetzt ein neues Buch vom amerikanischen Schreibergenie! Ulrich Matthes greift ihm bei der Präsentation von Die Liebeshandlung in Sachen Vorlesen ein bisschen unter die Arme: am 11. November 2011 in Berlin! Los geht’s um 20h. Kann es kaum erwarten!

(Pic by Sarah Crowner via Twisterella)

Like holy wine

Joni Mitchell: A Case Of You und James Blake: A Case Of You

Ich verehre Joni Mitchell. Die kanadische Sängerin hatte in jungen Jahren eine ziemlich helle Stimme wie man bei California und Big Yellow Taxi hört. Mit der Zeit wurde ihre Stimme dunkler. Einer ihrer Klassiker, A Case Of You, gewinnt dadurch nochmal absolut. Dieses wunderschöne Lied hat sie angeblich nach einer unglücklichen Liebesgeschichte mit Leonard Cohen geschrieben. James Blake hat ein unglaublich gutes Cover davon gemacht und deshalb bilden die beiden Versionen den Auftakt für meine Cover-Woche. Auf dem Bild oben ist übrigens nicht James Blake, sondern Joni Mitchell zu sehen. Aufgenommen hat es Jack Robinson, einer der US-Modefotografie-Ikonen. Der wiederum gehörte zu den Lieblingen von Diana Vreeland, der früheren Chefredakteurin der amerikanischen Vogue. Namen über Namen. Muss sich kein Mensch merken. Aber die Musik auf jeden Fall!

On the button

Phantogram: When I’m small

Peter Saville, der Mann, der mit seinen minimalistischen Plattencovern für New Order und Joy Division berühmt wurde, findet ebenfalls, dass Buchstaben Freunde sind! Und deshalb hat er auf seiner Website eine ganze Reihe schöner Schriften online gestellt. Zum Free Download, also ‘für umme’. Sehr nett finde ich das von ihm. Guckstu hier! Und dann noch oben: gutes Lied, gutes Bild. Bitt’schee’.

(Pic by Marius Wolfram)

Taste of you

M. Ward: Let’s dance (David Bowie Cover)

“To be hopeful in bad times is not just foolishly romantic. It is based on the fact that human history is a history not only of cruelty, but also of compassion, sacrifice, courage, kindness.
What we choose to emphasize in this complex history will determine our lives. If we see only the worst, it destroys our capacity to do something. If we remember those times and places — and there are so many — where people have behaved magnificently, this gives us the energy to act, and at least the possibility of sending this spinning top of a world in a different direction.
And if we do act, in however small a way, we don’t have to wait for some grand utopian future. The future is an infinite succession of presents, and to live now as we think human beings should live, in defiance of all that is bad around us, is itself a marvelous victory.” (Howard Zinn, US-amerikanischer Historiker)

(Pic & quotation via Ninefold Goddess)

Der Stille Sonntag *41

Soul Clap: Wicked Game Edit

Der Künstler Shaun Kardinal hat allerlei Vintage-Postkarten bestickt. Wie ultragut das aussieht, erblickt man oben und hier. Hands up!

(Shaun Kardinal via Magnus)

Nothing wrong

Shoes: Love & Happiness (Earwig Remix)

Und hier noch was Feines für die Öhrchens. Die allerschönsten Illustrationen wie den Fuchs da oben macht übrigens Jasmin Lünstroth aka Krickel la Krackel. Ihre Zeichnungen gibt es manchmal auch auf T-Shirts, Kapuzenpullis und Stoffbeutel gedruckt – handgedruckt! Alle verwendeten Stoffe sind aus Biobaumwolle. Allein aus biographischen Gesichtspunkten nenne ich ebenjenen Fuchs auf Jute mein Eigen. Wer jetzt neidisch wird, hier kann man sich noch mehr angucken oder direkt bestellen. Go for gold!

(Music via Carlos, Illustration by Krickel La Krackel)

Familie ist heilig

Danko Rabrenovic: Anal vs. genital

Im ehemaligen Jugoslawien wird geflucht, was das Zeug hält. Anders als in Deutschland, geht es dabei ziemlich deftig zur Sache. Bei Flüchen werden ja insbesondere gesellschaftliche Tabus thematisiert. Das ist im ehemaligen Jugoslawien bzw. auch in Kroatien, dem Herkunftsland meiner Eltern, die Familie. Und die ist heilig. Dementsprechend fleißig wird sie in Beleidigungen involviert. Das Geschlechtsorgan der Mutter spielt dabei eine zentrale Rolle. Dorthin verflucht man nämlich mit Vorliebe den Beschimpften. Oder, ebenfalls ein Klassiker, man macht ihn darauf aufmerksam, man hätte eben diese gef… (äh, nun ja, ich schreibe gerade auf deutsch!). Diese Fluchformeln, bei denen die männlichen Genitalien in den allerschönsten Variationen ebenfalls überaus beliebt sind, benutzt man nicht nur, um Verärgerung anzuzeigen oder um zu beleidigen, sondern auch als Komparativ, also derbere Steigerunsform.

Aber um Längen schöner und vor allem anschaulicher erklärt das Danko Rabrenovic im Video oben. “Sind hier Minderjährige im Saal?” Ich hab’ mich weggeschmissen vor Lachen. Mein absoluter  Liebling: seine Erklärung zu “Ma boli me k*rac” ab 6:56 min. Das beweist: Wir Kroaten und Balkanesen sind nicht derb’, nein, wir sind einfach nur unheimlich ironisch und nuanciert! So it looks! Und Mama, falls Du Dir das anhörst und bei jedem Jebem ti zusammen zuckst: Verzeih. Hier sind Blumen für Dich! Kuss, Dein Kind.

P.S.: Im ehemaligen Jugoslawien pflegt man nicht nur einen rauen Umgangston, was die Familie betrifft, sondern auch einen ziemlich liebevollen. Eltern reden ihre Kinder zum Beispiel permament mit meine Sonne, mein Schatz, mein Liebes usw. an. Hat also auch Vorteile, so ‘ne Fixierung auf die Familie!

(Video via Lui, Pic via Jasmin)

Was Fräuleins wollen

Black Keys: Howlin’ for you

Das neue Fräulein Magazin ist draußen. An der Erstausgabe habe ich noch in der Entwicklungsredaktion mitgebastelt, mittlerweile erscheint das vierte Heft. Ich bin begeistert! Aktuelles Cover-Fräulein ist nun die amerikanische Künstlerin Miranda July, mein langersehntes Titelmädchen… Hendrik Lakeberg hat ein ganz tolles Interview mit ihr geführt. Einige der Fotos mag ich, andere wiederum sind nicht so meins, weil die elfenzarte Ms July merkwürdig harsch darauf wirkt. Aber die Notizen, die sie selbst unter die Bilder geschrieben hat, sind ziemlich witzig. Und ein ebenfalls tolles Interview gibt’s noch von Ruben Donsbach mit Romy Haag, die 1951 als Mann geboren wurde. David Bowie zog ihretwegen nach Berlin und als Ruben sie darauf und auf Charlotte Roche anspricht, kommt das Gespräch richtig in Fahrt… i like a lot. Daneben gibt es noch Spitzen-Modestrecken (Skinhead Style: “Wir wollen aussehen wie ein Ernstfall und nicht wie Softies, mit denen man das ganze Leben auf der Couch diskutiert”) und ein Protokoll der türkischen Schriftstellerin Perihan Magden: “Kopftücher stehen für Freiheit”.

Von mir sind ebenfalls zwei Texte dabei, einer über die Newcomerin Lana del Rey sowie eine Besprechung des Künstlers Raphael Danke (“Die Geister, die ich rief”). Weiter im Heft: Ein Portrait über Dillon, der Sängerin aus dem Post hier drunter. Nan Goldin erzählt, was sie mit ins Grab nehmen möchte und Leslie Feist hat ein selbstgemaltes Bild über das Thema Leidenschaft beigesteuert (“Mein Vater ist Maler und würde sich dafür schämen.”). Darüber hinaus viele Seiten zum Blättern mit Konsumanregungen (und die nicht zu knapp) sowie den gewohnt guten Illustrationen und Fotos.

Apropos gute Fotos. Das oben ist gleichzeitig das Cover von Werner Amanns: American. 1996-2002. Schöner Band, mehr darüber im Link hier.

(Pic by Werner Amann)

Stille Wasser

Dabei schläft sie so friedlich.

10 Punkte

Dillon: Thirteen Thirtyfive

Dillon. Erinnert mich vom Gesang ein bisschen an die frühen Sachen von CocoRosie.

(Music via Meggi)

Schöner essen

Portugal.The Man: I got it all

Ein alter Kreuzberg Klassiker in Sachen Ausgehen und gute Drinks ist der Würgeengel in der Dresdner Str. Einen Spitzen Whiskey Sour machen die da, Gimlets sind sogar noch besser. Woran ich bisher leider immer vorbeistolzierte, ist der Gorgonzola Club, das Restaurant, das zum Würgeengel gehört. Was mir dabei entging, weiß ich jetzt!

Im Gorgonzola gibt es sehr gute italienische Küche zu ziemlich moderaten Preisen. Auch Vegetarier kommen voll auf ihre Kosten. Ofenfrisches, hauchzartes Rosmarin-Focaccia zu einem Gemüse-Vorspeisenteller mit einer unglaublich leckeren Sesamcreme. Dann Kürbis-Ravioli in Salbei-Butter geschwenkt mit knusprig gebackenen Salbeiblättern obendrauf. Ich dachte, ich leg’ mich rein. Ein Freund bestellte Pizza, die mit dünnem Boden und viel Tomatensoße serviert wurde. Ebenfalls sehr zu empfehlen. Zur Speisekarte gibt es auch eine wechselnde Abendkarte.

Das Publikum ist so Ende Zwanzig aufwärts. Im Laden herrscht ziemlicher Trubel, jedoch fühlt man sich durch die großzügige Tischanordnung nicht davon gestört. Das Ambiente freundlich, nicht zu grelles Licht. Kurzum: mit Freunden ein netter Ort zum Abendessen, aber auch ein guter Laden für Elternbesuch. Als Nachtisch kann man ja den für die großen Kinder nebenan am Thresen vom Würgeengel bestellen. Feiner Abend, das!

Würgeengel, Dresdener Str. 122, 10999 Berlin. Gorgonzola Club, Dresdener Str. 121, 10999 Berlin.

Say

CocoRosie: Not for Sale

Ihr könnt mich jetzt auch beim Gesichtsbuch liebhaben! Oben ganz rechts in der Menüleiste gibt es ab sofort den Punkt Facebook oder hier klicken.

(Source of pic unknown)

Der Stille Sonntag *40

Boy: July (live)

Superniedlich! Kindermund… oder: in sechs zielstrebigen Schritten zum Erfolg.

678

Timber Timbre: Do I have Power

J. sagte: “Das ist der schlimmste Film, den ich je gesehen habe. Nein, warte, Tree of life war noch schlimmer.” P. sagte: “Du musst in den Film gehen. Der war total super. Und egal, wie ich um mich schaute, alle Leute hat er ziemlich umgehaun’!” Zwei Männer, keine Meinung. Das war das Feedback, das ich zu Lars (I am a Nazi) von Triers Melancholia bekam. Ich bin dann am gleichen Abend selbst in den Film gegangen. Soviel vorweg: Das ist kein Popcornkino und spaßig ist sowieso anders!

Von den Bildern bis zur Geschichte ist Melancholia kompliziert wie simpel zugleich. Es ist die Geschichte der fortschreitenden Depression Justines – gespielt von Kirsten Dunst –, während der Planet Melancholia auf die Erde zuzurasen droht. (Mehr Metapher geht auch nicht.) In dem Vorspann, der etliche Motive aus der Kunstgeschichte zitiert, wird dann  in albtraumhaft schönen Bildern zusammengefasst, was der Film in zwei Teilen erzählen wird. Im ersten Teil, mit Justine überschrieben, schaut man ebenjener Justine ausgerechnet am Tag ihrer Hochzeit dabei zu, wie sie vergebens gegen die bleierne Schwermut ankämpft, die sich in ihr ausbreitet. Das ist die reinste Folter für den Zuschauer. Zumal sich insbesondere ihre Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) sowie ihr frisch gebackener Ehemann mit Engelsgeduld um sie bemühen. Im zweiten Teil des Films, einige Zeit nach der Hochzeit angesetzt, kommt Justine kaum mehr aus dem Bett, so schlecht geht es ihr. Mittlerweile hat der Planet Melancholia die Umlaufbahn der Erde erreicht. Je näher er jedoch rückt, desto deutlicher verbessert sich der Zustand Justines. Während Claire nun in Todesangst gerät, ist Justine längst davon überzeugt zu sterben und genau das beruhigt sie. Sie ist von der unheilbaren Einsamkeit des Einzelnen überzeugt und die schlechte Menschheit habe es ohnehin nicht verdient, zu überleben.

Was für ein Film und was für Bilder! Sowohl die Metaphern, Zitate, Verweise als auch die Aufnahmen! Wir wurden vom Ende regelrecht in die Kinositze gedrückt. Ein paar Reihen hinter uns saßen jedoch ein paar Schwäbinnen. Die waren offenbar weniger beeindruckt. Nach dem großen Knall sagten sie jedenfalls in die Stille hinein: “Joa, desch war’s wohl jetzt!” Ist eben jeder Jeck anders. Gell?!

(Music via Mimy, Pic by Robin Mellway)

(Charlotte Gainsbourg),

Got to

Papa: I am the Lion King

Heute Abend gehe ich ins Radialsystem. Und zwar in Die Jaffa-Orangen des Richard W. Ein israelisches Rheingold. Das ist die Premiere, jawohl, die feine Dame! Ich habe trotzdem keine Ahnung, was mich wirklich erwartet, aber das Radialsystem mag ich sehr gerne. Verschrieen ist es ja etwas, die Karten oft teuer, das Publikum sehr künstlerisch und vor allem reich. Und icke mittendrin. Vor ein paar Wochen war ich zum ersten Mal dort. Ich schaute mir Sasha Waltz an. Bis zum Weg dorthin sagte ich zwar ihren Namen, hatte aber Pina Bausch im Kopf. Doch das ist eine Generation davor, nech.

Jedenfalls wollte ich mich auch bei meinem ersten Besuch überraschen lassen von dem Stück, das aufgeführt wurde: Métamorphoses. Ich dachte an Ovid, vielleicht würde von Orpheus und Eurydike erzählt werden oder Jason und Medea oder wie die Gestalten aus der Antike alle heißen. Aber nix da. Diese Métamorphoses interpretierten die Räume des Neuen Museums, wo sie auch uraufgeführt wurden. Das hat da bestimmt auch funktioniert, zumal die Kostüme atemberaubend waren. Im Radialsystem konnte ich mit nur zwei Tanz-Sentenzen etwas anfangen, mir fehlte entweder die Phantasie oder dem Ganzen der Bezugsrahmen. Ich will aber auch niemandem den Spaß verderben. (Bla-bli, bla-bla, Frau Beljan, wir sind wohl etwas gesprächig dieser Tage! Ich mag es übrigens, in der dritten Person oder erste Plural mit mir selbst zu reden. Manchmal auch laut. Sehr befreiend. Ich kann das nur empfehlen. Ich wollt’ aber nicht ablenken.)

Denn es war trotzdem ein sehr schöner Abend, allein, weil die Räumlichkeiten und insbesondere auch die Terrasse des Radialsystems so super sind. Mit einem Weinchen dort sitzen, vor und nach dem Stück, ‘n Traum! Wir werden alle wie unsere Eltern, meine sind sehr nett, also halb so wild. Prost.

Zum Stück von heute Abend, Die Jaffa-Orangen des Richard W. Ein israelisches Rheingold, sagt die Macherin: “… wie immer stritten sie sich über die Israel Politik. … Ich bin dann irgendwann gegangen, als mir das alles zu viel wurde und wollte mich noch ein bisschen mit unserem Projekt, einer Oper von Richard Wagner auseinander setzen. Ich schaltete die Musik ein und plötzlich traf es mich wie ein Geistesblitz. Rheingold, der Vorabend der germanischen Ringmythologie war genau das, was ich gerade noch im großbürgerlichen jüdischen Haushalt meiner Großmutter erlebt hatte.” (Susanne Scherer) Mutig. Aber einleuchtend. Bin gespannt.

Zum Bild oben. Wie super waren eigentlich die guten, alten Mixtapes. Vor kurzem das erste Mal seit Ewigkeiten eines bekommen. Mit analog gebasteltem Cover. Und mich gefreut wie Bolle! Ich mach’ jetzt auch wieder welche, Mixtapes. Und mit großen und kleinen Katzen hab’ ich’s gerade. Ist aber auch ein super Lied von Papa, der anderen Band von Girls-Drummer Darren Weiss. Rrrrrroar!

(Pic via Abra Cat Dog Ra, einem Tier-Bilder- und -Videoblog)

Too good

Lauryn Hill: Can’t take my eyes off of you

Heute ist der “Love your body day”. Den hat die amerikanische National Organization for Women (NOW) erstmals 1998 ins Leben gerufen, um unrealistische Schönheitsvorstellungen zu boykottieren. Und das nicht ohne Grund. In Deutschland sind etwa 100.000 Menschen essgestört, eine Studie will gar jede zweite Frau betroffen wissen. 5-10% der insgesamt Erkrankten sind Männer, Tendenz steigend. Wie lächerlich eigentlich, dass die meisten Menschen, meine Wenigkeit eingeschlossen, eher an sich herummotzen, statt sich darüber zu freuen, dass Arme, Beine, Füße usw. alle dran sind. Oder man sich an manchen Tagen wie ‘ne trübe Tasse fühlt und denkt, alle um einen herum seien viel toller.

Ein paar amerikanische Künstler haben sich deshalb ein ganz besonderes Street Art Projekt ausgedacht. Mit ihren Aufklebern verschönern sie nicht nur den urbanen Raum, sondern wollen in erster Linie Dir, Deiner Schwester, Deiner Omma, Deinem Freund, einfach jedem Fremden, eine Freude bereiten: ein Wort-Leckerli für das morgentliche- oder-wann-auch-immer-muffelige Selbst. Die Sticker gibt’s übrigens gratis, jeder soll mitmachen und fröhlich öffentliches Eigentum verzieren. Das Ganze boomte prompt zur weltweiten Kampagne. Was ist die Botschaft auf den Dingern? Ganz genau auf das zweite Bild rechts, und zwar hier, gucken, unter dem Türöffnerknopf der Londoner U-Bahn steht’s: You are beautiful! Was kann ich noch anderes hinzufügen als Just as simple as that.

(via Kotzendes Einhorn)


Are you with me

James Blake: Enough Thunder

Unglaublich schönes neues Lied vom 22-jährigen (!) Superstar.

Gedenkt man der zu gute nicht, / von denen gutes uns geschicht / dann wäre alles gleich wie nicht, /was gutes in der welt geschicht-. (Gottfried von Straßburg, Tristan, V. 1-4, Prolog)

Das Zitat stellte Friedrich Kittler gerne seinen Vorlesungen voran, insbesondere jenen mit Nachrufen auf die Geistesgrößen, die ihn besonders beeindruckt haben. Diese Vorlesungen sind in seinem Band Unsterbliche versammelt. Friedrich Kittler ist gestern 68-jährig in Berlin verstorben.

(Pic via Punk Cat)

Where I belong

Silje Nes: Crystals

“Krieg dem Ganzen, zeugen wir für das Nicht-Darstellbare, aktivieren wir die Differenzen, retten wir die Differenzen, retten wir die Ehre des Namens.” (J.-F. Lyotard)

Ganz angetan bin ich immer, wenn Menschen etwas sehr Besonderes können und es machen, einfach, weil sie nicht anders können. Dazu zählen Silje Nes und Raphael Danke. Silje Nes ist eine norwegische Sängerin und Soundkünstlerin und im skandinavischen Raum schon recht bekannt. Das wusste ich aber damals, als ich zufällig über sie stolperte, noch nicht. Eine Freundin sagte, dass eine Freundin von ihr, eben Silje Nes, ein kleines Wohnzimmer-Konzert gebe, wir sollten doch alle mitkommen. Was uns erwartete, war einer dieser überraschend schönen Abende. Ein Mädchen, das völlig vertieft in seine Musik war, tausend Knöpfe drückte, viele Geräusche produzierte, und irgendwann sehr bedachtsam anfing zu singen. Alles wunderschönst und völlig unprätentiös. Habe damals, nach dem Konzert, darüber geschrieben.

Raphael Danke, den Künstler, der die Collage oben angefertigt hat, habe ich vor ein paar Wochen in seinem Kreuzberger Atelier interviewed. Seine Arbeiten haben bei mir sofort ‘ne Riesenassoziationskette in Gang gesetzt. Das Auflösen der Figur zugunsten der Abstraktion. Das Subjekt als Riss und Verschwinden im Bild, das gerade und immer wieder durch sein Fehlen reaktiviert oder evident wird. Dazu sagte der Künschtler himself: “Ich will für mich persönlich natürlich auch eher das Anwesende. Aber es ist das Abwesende. Das ist begehrt, was man nie haben kann. Ein Traum. Bei dem muss man auch annehmen, dass er nicht Realität sein kann…. außerdem steckt in abwesend ja auch das Wort Wesen drin.” Das finde ich schon ziemlich super. Aber ich will nicht alles vorwegnehmen. Den ganzen Text gibt’s wahrscheinlich ‘nur’ in Printform. Nächste Woche mehr. Für heute: Adios!

(Pic by Raphael Danke)

Bilderrausch

Janie Taylor und Justin Peck tanzen zu Philip Glass: String Quartett No.3 ‘Mishima’: IV. 1962: Body Building (Chloé Commercial)

Janie Taylor, Primaballerina des renommierten New York City Ballets, sollte die Frühling/Sommer 2011 Kollektion des Modelabels Chloé auf ihre Ballett-Tauglichkeit testen. Der junge Mann, mit dem sie von oben bis unten in Chloè gehüllt durch das dabei entstandene Video schwebt, ist Justin Peck. Der ist ebenfalls Tänzer des NYCBs, hat das Stück choreographiert und sagt: “Ballett sieht man ja eigentlich immer nur von vorne. Bei diesem Kurzfilm aber erhält man völlig neue Perspektiven, denn man kann uns aus jedem Blickwinkel beim Tanzen zuschauen.” Wirklich schöne Bilder sind dabei herumgekommen! Bei aller Ästhetik aber ist und bleibt das ein Commercial. Und Werbung soll eben Begehren schaffen. Bei mir hat’s gefunzt. Nachdem ich mir Janie und Justin nun ungefähr zehnmal hintereinander angeschaut habe, bin ich überzeugt davon, dass ich ebenfalls so einen Fummel brauche. Also einmal bitte die Strumpfhosen. Denn wie man in dem Video sieht: Da sitzt allet’. Die leiern Null Komma gar nicht!

Even from away

Feist: The circle married the line

Ha! Da sind sie wieder, die Schuhe von Freitag. Diesmal an den wohlgeformten Füßen von Leslie Feist, während eines Live-Sets. Hätte mich ansonsten kaum entscheiden können bei all den schönen Liedern ihrer neuen Platte Metals. Feist ist übrigens die Ex-Mitbewohnerin von Jason Beck aka Chilly Gonzales. Den besuchte sie dann auch in seiner neuen Bleibe in Berlin, wo sie sich nicht nur als Backgroundsängerin, sondern auch als Hilfsköchin und Kellnerin über Wasser hielt. Hätte man ihr gerne bei zugehört, wie sie trällernd die Gerichte an den Tisch bringt, nicht wahr? Obwohl sie kein deutsch spricht, kann sie ihre damalige Adresse immer noch auswendig: “Danziger Straße 10, Ecke Schönhauser.” Manche Dinge, auch die kleinen, bleiben eben haften.

(Pic via Push the Movement)

Der Stille Sonntag *39

Tula: Dragon

Ich habe mal einen Sommer lang als Hostess gearbeitet. Die am besten bezahlten Events, die mir meine Agentur anbot, waren ungefähr zehn Sommerfeste, bei denen Damen und Herren gebraucht wurden, welche erstens die anwesende Politprominenz erkannte und zweitens auch nicht unbedingt kaugummikauend an ihre Plätze begleitete oder um einen Eintrag ins Gästebuch bat. Ich war jung und brauchte die Kröten. Also geleitete ich Angela Merkel von der Garderobe zum Empfangsraum, Herrn Stoiber und seine Frau Muschi (er nennt sie wirklich so) zum Gästebuch und wechselte mit Herrn Wössner, damals bereits getrennt vom Bertelsmann Konzern, ein paar Sätze über seine alte Gütersloher Heimat. Herr Gentscher stach menschlich besonders hervor, er war von ausgesuchter Höflichkeit und verabschiedete sich von allen Hostessen und Hosts mit Handschlag. Das kommentierte eine meiner Kolleginnen mit den weisen Worten: “Hier scheidet sich wahre Prominenz.”

Recht hatte sie. Denn auf diesen Sommerfesten trieben sich auch wirklich unangenehme Gestalten herum. Solche, die hochkommen wollen, und, wenn Gesine Schwan daneben steht, höflich sind und sobald diese um die Ecke gebogen ist, einen wie Luft behandeln. Am schlimmsten fand ich aber Herrn Oettinger. Schlagartig war mir klar, warum er und Frau Merkel sich hassen. Über die Kanzlerin kann man politisch denken, was man möchte, für ihr Menscheln aber ist sie nicht ohne Grund berühmt. Man kann eben eine gute Aura haben oder eine schlechte. Herr Oettinger hat letztere. Neben ihm gefror mir sofort das Blut in den Adern. Meine Abneigung ist jedoch nicht nur persönlich motiviert.

Günther Oettinger, mittlerweile EU-Abgeordneter, hatte vor einem Monat eine Riesenidee, die wieder mal zeigt, wieso er auch politisch völlig indiskutabel ist: Alle Länder, die ihren Haushalt nicht in Ordnung bekommen, müssten seiner Meinung nach dafür auch öffentlich beschämt werden. Da es den Pranger nicht mehr gibt, sollten die Flaggen der betroffenen Länder vor dem EU Parlament auf Halbmast hängen. (“Was für ein kranker Mann.”) Herr Oettinger hat noch mehr Wahnsinnseinfälle, um die faulen Griechen aus ihrer Krise zu hebeln: “Es wäre am besten, wenn qualifizierte Beamte aus den übrigen EU-Staaten zur Beratung und Durchführung der Verwaltung für einen längeren Zeitraum in Griechenland tätig würden. Sie könnten ohne Rücksicht auf Widerstände agieren und den Schlendrian beenden.” So so, den Schlendrian.

Ich, vor Jahren schon zum Tagedieb alter Schule gekürt, übertreffe mich heute selbst und lasse den Schlendrian so richtig schlenderln. Is’ ja Sonntag. Stiller Sonntag! Musik von der schwedischen Berliner Band Tula. Applaus.